Laufen gibt ganz viel Kraft

Laufen gibt Kraft. So zumindest ist es bei mir. Das betone ich immer und immer wieder, wenn man mich fragt. Manchmal auch, wenn man mich nicht fragt, ich gebs zu. Fürs Laufen brauche ich natürlich auch Kraft, körperliche Kraft. Und manchmal auch mentale Kraft. Wenn es draußen eiskalt und dunkel ist, zum Beispiel, und ich trotzdem los soll und will. Doch das, was ich zurückbekomme, ist immer so viel mehr: Nach jedem Lauf komme ich total glücklich und zufrieden nach Hause. Alle meine Akkus sind dann voll geladen. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, warum ich am liebsten morgens laufe. So starte ich mit einem Energieboost in den Tag, der mich meist bis abends trägt.

Gerade in einer Zeit wie dieser, die belastet ist mit großer Unsicherheit und diffusen Ängsten, ist dies Gold wert. Für mich sogar fast lebensnotwendig, glaube ich manchmal. Ich bin so dankbar dafür, dass ich diesen Sport vor vielen Jahren für mich entdeckt und liebevoll gepflegt habe.

Während des Laufs tauche ich komplett ab aus dieser Welt. Ich konzentriere mich vollständig auf die Tätigkeit des Laufens. Das ist für mich wie eine Art der Meditation. Ich denke fast nichts – ich laufe einfach. Dadurch, dass Lotta in der Regel an der Leine bleibt, unterstützt sie mich durch die Gleichmäßigkeit ihrer Schritte. Klar, sie unterbricht das auch hin und wieder, wenn sie ein Mäuschen sieht und danach springt oder in der Ferne einen Feld (weg-) hasen ausmacht und hinterher sprinten möchte. Anschließend finden wir schnell wieder in unseren Rhythmus.

Gemeinsam konzentrieren wir uns auf die Schritte unseres Laufs.

Dadurch, dass Lotta und ich fast immer alleine laufen, mussten wir zwar vieles in unserem Alltag umstellen – dieses aber nicht. Das tut gerade unendlich gut. Unseren regelmäßigen gemeinsamen Lauf, den wir schon so lange zusammen machen, schätze ich schon immer so sehr. Jetzt ist er zusätzlich eine stärkende Konstante in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Und gibt mir noch mehr Kraft als üblich für alle Herausforderungen, die dieser neue Alltag mit sich bringt.

HF high! HF high! HF high!

Unseren heutigen Morgenlauf fand Lotta maximal komisch. In den ersten zehn Minuten blickte sie sich ständig nach mir um. He, Frauchen, wo bleibst Du denn? Wollen wir jetzt nicht mal so langsam Gas geben? Nein, Lotta, bleib ruhig! Frauchen muss sich erst einlaufen – und das dauert zehn Minuten. Sagt die Laufuhr. Denn die hatte ich, das erste Mal in meiner Lauf”karriere”, programmiert. Jawoll. Der neue Trainingsplan, entworfen von meinlauftrainer.de, sieht nämlich “Minutenläufe” vor. Heute: Zehn Minuten Einlaufen, dann insgesamt fünf Mal jeweils im Wechsel drei Minuten schnell und zwei Minuten langsam und zehn Minuten Auslaufen. Zugrundegelegt hatte ich die aus den vielen Läufen der Vergangenheit auf der Uhr gespeicherten Daten der Herzfrequenz.

Und das war wohl ein Fehler. Schon nach zwei Minuten Einlaufen piepste die Uhr wie verrückt. HF high! HF high! HF high! What?? Ich gurkte in einer 8er-Pace mehr gehend als laufend vor mich hin! Ich blieb stehen, kontrollierte die Uhr. Alles okay. Lief wieder an … HF high! HF high! HF high! Hm. Was nun? Noch langsamer? Stehenbleiben? Abbrechen? Alles keine Alternativen. Ich erinnerte mich an die Ausführungen, die mir der nette Lauftrainer mit dem Plan mitgeliefert hatte: “Langsamer Dauerlauf: Eine subjektiv lockere Einheit ist hier wichtiger als die HF! Sprechtest: Sehr problemlose Konversation in ganzen Sätzen”.

Erfolgreich erledigt: Die ersten Minutenläufe meiner Lauf”karriere” waren ein ziemliches Hin- und Her …

Ich beschloss also, das Dauerpiepsen der Uhr für das weitere Training einfach zu ignorieren. Und stattdessen mit Lotta zu quatschen. In vollständigen Sätzen erklärte ich ihr ausführlich, was wir gerade machen und warum und wie lange und und und. Wie immer lauschte sie konzentriert 🙂 – aber auch sehr verwundert. Während der schnellen Drei-Minuten-Abschnitte hielt ich den Mund und gab so viel Gas wie ich konnte. Was ist denn jetzt wieder los, Frauchen? Wollten wir nicht bummeln? Warum jetzt plötzlich so schnell? Und warum sagst Du jetzt plötzlich nichts mehr? Was für ein Durcheinander heute …

Nach einigem Hin- und Her fanden wir beide unseren Rhythmus. Lotta begriff, dass Schnüffeln, Pipimachen & Co. nur in den langsamen Abschnitten möglich war und ich freute mich über die Abwechslung der unterschiedlichen Tempi. Den ganzen Winter über nämlich sind wir einen relativ stabilen 5:45-Schnitt gelaufen, haben nur die Länge der Strecken variiert. Einfach so, wie es mir in den Kopf kam. Doch jetzt: Auf geht’s in die neue Saison! Ich freu mich drauf …