Lotta, das gerupfte Huhn …

Das Wetter schlägt Kapriolen und es ist jeden Tag aufs Neue spannend: Kann ich heute Laufen oder nicht? Geboten wird echt alles. Entweder es schüttet, oder es stürmt, Eis, Schnee, hin und wieder Sonnenschein, Frühling war auch schon angesagt und ich habe die kurzen Laufhosen ausgepackt. Um sie kurz darauf wieder ganz hinten in den Schrank zu legen und die Thermohose rauszukramen… Heute Nacht: Heftige Sturmböen, die an den Fenstern rüttelten. Mehrfach wurde ich davon wach und habe überlegt: Klappt das morgen Früh? Wie so häufig passt es für Lotta und mich im Moment wieder am besten am frühen Morgen. Wir haben Glück: oft scheint sich das Wetter morgens auch zu beruhigen. Und Lotta ists eh wurscht. Sie läuft IMMER. Außer bei Gewitter. Starkregen mag sie nicht, zieht aber trotzdem durch.

Vor ein paar Tagen hatte ich fast ein schlechtes Gewissen und überlegte während des Laufs, ob ich nicht gut genug auf sie aufpasse. Eben weil sie gnadenlos durchzieht – so lange, bis Frauchen fertig ist. Das mögen zwei oder zwanzig oder gar dreißig Kilometer sein – sie macht alles mit. Die Temperatur lag knapp über dem Gefrierpunkt und es wehte ein eisiger Wind aus Nordost. Gemeinsam sausten wir übers Feld, auf unserer neuen lieblings-weil-total-variierbaren Laufstrecke. Lotta ist ja ein Wäller und hat längeres, wunderschönes Fell. Das fällt aber ein Mal im Jahr fast komplett aus. So auch derzeit. Ich könnte mehrmals am Tag das ganze Haus und den Hund absaugen, total nervig! Lotta sieht wie ein gerupftes Huhn aus …

Lotta Struppelkopf
Lotta sieht ein Mal im Jahr, wenn sie ihr Fell fast komplett verliert, aus wie ein gerupftes Huhn…

So rannte sie vor mir her, der Wind fauchte uns seitlich an und Lotta sah dabei so furchtbar dünn aus, dass ich richtig erschrocken bin. Wird sie sich bei der Kälte ohne ihren wärmenden Pelz nicht ERkälten? Bloß nicht anhalten, befahl ich mir und legte an Geschwindigkeit zu. Heute nur die kurze Runde! Lotta blickte wie verwundert zu mir zurück: Echt, hier jetzt rechts abbiegen, Frauchen? Hast Du ein Problem? Bist Du sicher? Sonst laufen wir doch weiter, oder? Ja, mein lieber Hund, rief ich ihr in Gedanken zu. Können Hunde Gedanken lesen? Manchmal bin ich fast sicher …

Auf zu neuen Zielen!

Seit ein paar Tagen liegt der Verona-Halbmarathon hinter mir – ein wunderbares Erlebnis! Flache Strecke, tolle Organisation und dann das Tüpfelchen auf dem i – wenn auch nur mit vier Sekunden Abstand: persönliche Bestzeit gelaufen. Wow. Irgendwie ist das pures Glück in dem Moment des Laufens. Dieses Mal hatte ich fast die ganzen 21,1 Kilometer über wohlige Gänsehaut, ich musste ständig lächeln. Weil ich mich einfach danach gefühlt habe! Monate der Anstrengung durch Umzug und Arbeit lagen hinter mir, ich hatte gemeinsam mit Lotta nur ein – wenn auch solides – Grundlagentraining hinbekommen, fast ohne lange Läufe. Zu Lotta hatte ich beim letzten gemeinsamen Trainingslauf noch gesagt: “Mal sehen, Lotta, ob Frauchen unser gemeinsames Tempo allein auch auf die Straße bringt”. Und siehe da: es ging.

Sigi mit Medaille
Juhuhh, im Ziel! Spaß hats gemacht, den Verona-Halbmarathon zu laufen und dafür auch noch eine so schöne Medaille zu erhalten!

Dabei war die PB natürlich wie immer gar nicht mein Ziel. Ich trainiere, um Spaß zu haben, um gesund zu bleiben und um während des Trainings eine gute Zeit mit Lotta zu haben. Um eine Bestzeit laufe ich im Wettkampf nie, zu großen Druck mache ich mir nie. Trotzdem freue ich mich darüber, wenn ich auch mal schneller als erwartet ins Ziel komme.

Wettkämpfe sind für mich in allererster Linie ein Riesenvergnügen. Ich liebe die Atmosphäre zwischen den Läufern, die leichte Nervosität vor dem Start, die sich wie ein Prickeln durch den Startblock zieht. Ich liebe das gemeinsame Runterzählen und das Loslaufen. Ich liebe die Momente, wo es mal nicht so rund läuft und man sich quälen muss. Und ich liebe den letzten Spurt ins Ziel. Aufgegeben habe ich bis jetzt noch nie. Doch, ein Mal: Da lief ich mit gebrochenem Knöchel und musste mir nach 8 Kilometern eingestehen, dass es wirklich nicht ging.

Nicht die Bestzeiten sind es also, die mich antreiben. Eher die – englisch ausgedrückt – “soft skills” – im übertragenen Sinn. Regelmäßig überlege ich mir, an welchem Wettkampf ich als nächstes teilnehmen möchte. Die Wettkämpfe strukturieren mein Training, sie sind wunderbare Ziele, die sich zu verfolgen lohnt. Sie halten das Training abwechslungsreich und spannend. Als nächstes steht deswegen der Springe-Deister-Lauf an, am 23. März. Danach der Sollinglauf, am 25. Mai. Und danach? Auf zu neuen Zielen!

Ganz schön frostig!

Der Frost hat uns ganz schön fest im Griff. Nachts sinken die Temperaturen zum Teil auf fast -10 Grad, alle Pfützen sind gefroren, die Seen zum Teil auch. Naja, Januar eben! Was will man also erwarten? Mir ist das morgens im Moment zu kalt, das muss ich ehrlich zugeben. Außerdem habe ich, wenn es noch so halb finster ist, Angst davor, auf Glatteis auszurutschen. Mag ich einfach nicht. Im Hellen habe ich eine größere Chance, unter der leichten Schneeschicht Pfützen zu erkennen und dran vorbeizulaufen. Deswegen haben Lotta und ich unsere Läufe vom frühen Morgen lieber auf die Mittagsstunden gelegt. Wie gut, dass ich das als Selbstständige so einfach kann! Zum Teil scheint dann sogar die Sonne und bringt Licht in die immer noch dunkle Zeit. Wunderbar.

Endlich Sonnenstrahlen! Das tut Lotta und mir richtig gut …

Außerdem haben Lotta und ich auf diese Weise eine neue Laufstrecke entdeckt, die wir noch nicht kannten. Das geht nur mit Zeit und davon haben wir morgens immer nicht so viel. Mittags sind wir, sofern keine beruflichen Termine anstehen, einfach freier. Schritt für Schritt entdecken wir so unsere neue Heimat. Und auch das tut gut. In einem trüben grauen Winter in einer völlig neuen Umgebung kann man sich nämlich als Mensch ganz schön verloren fühlen. Vorher kannte man quasi jeden Stein der Hausstrecke und nun? Alles Neuland. Lotta juckt das natürlich wenig. Für sie ist wichtig, dass wir da sind. Alles weitere ist ihr, schlank ausgedrückt, total wurscht. Wir könnten auch nach Hintertupfingen am anderen Ende der Welt gezogen sein. Egal. Hauptsache, sie hat ihr Rudel.

Diese Treue tut auch beim Laufen gut. Gemeinsam mit Lotta wage ich in der neuen Heimat läuferisch fast alles – wir laufen einfach los und gucken, wo wir ankommen. Und ob wir wieder zurückkommen. Zum Schluss gibt es dann ein “High Five” Handschuh-Pfote und ein zufriedenes “Danke, Lotta!”…

Lotta und Sigi in der Sonne
High Five und “Danke, Lotta!”, gibt es bei uns am Ende eines Laufs.

Innerer Schweinehund? Fehlanzeige!

Ich behaupte ja gern, dass ich keinen inneren Schweinehund habe. Nein, Fehlanzeige! Zumindest, wenn es ums Laufen geht. Gestern allerdings habe ich doch sehr mit mir gehadert, ob ich tatsächlich los wollen sollte. Die ganze Nacht Sturm und heftigster Dauerregen. Garstig ohne Ende. Dazu dunkel und natürlich trüb, außerdem kalt. Die Nachtruhe zusätzlich vielfältig durch unseren Kleinsten (“Mama, Schlulli, ist weg!” um 2 Uhr. “Mama, darf ich Dir unten was zeigen” um 4.30 Uhr …) gestört.

Da komme auch ich an meine Grenzen und spüre den dringenden Wunsch, mich mal so richtig in Ruhe ausschlafen zu können. Das gab es wirklich schon sehr lange nicht mehr. Doch mein Kopf sagt mir aus vielfältiger Erfahrung: Lauf einfach los und sei gewiss: danach geht es Dir in jedem Fall besser – egal, wie Du geschlafen hast und egal, wie das Wetter auch sein möge!

Den letzten Zweifel an der Richtigkeit dieser Überlegung fegt Lotta dann hinweg. Sobald ich mir beginne, meine Laufsachen anzuziehen, sieht man ihr die Vorfreude an. Frauchen, geht es jetzt endlich los? Ja? Auja! Sie legt sich direkt vor die Badezimmertür und wartet geduldig so lange, bis ich fertig bin. Wir sausen unsere Runde durch unser neues Laufrevier, kämpfen uns im Wald gemeinsam durch Regen und Sturmböen. Lotta immer vorne weg, aber stets mit dem Blick nach mir, ob ich auch wirklich da bin. Denn diese Wetterlagen sind ihr nicht so recht geheuer, eigentlich würde auch sie da das Haus gerne nicht verlassen. Zusammen aber geht es uns beiden gut.

Nach dem Lauf bin ich jedes Mal von einer riesigen Freude und Zufriedenheit erfüllt. Danke, Lotta!, sage ich dann und gebe ihr (ja!) einen dicken Kuss auf den Kopf. Ohne Dich, mein lieber lieber Hund, hätte ich das heute nicht geschafft. Wie schön, dass Du zu unserer Familie gehörst und so eine treue Begleiterin bist. Das ist wundervoll.

 

Silvester naht. Es knallt.

Es ist wieder soweit: Silvester naht. Überall und zu jeder Tages- oder Nachtzeit knallt es. Irgendwo. Selbst morgens um acht. Das ist nix für Lotta. Sie hasst dieses Geräusch. Frauchen, ich muss nach Hause! Jetzt! Sofort!! Entspannt rausgehen? Ist in diesen Tagen Fehlanzeige. Man muss immer darauf gefasst sein, dass sie auf der Stelle, in Bruchteilen einer Sekunde, umdreht und unter vollem Einsatz ihres Vierradantriebs nach Hause rennt. Ich kann sie dann kaum halten.

Heute haben wir uns gemeinsam direkt aus unserem neuen Zuhause auf den Weg gemacht. Wir kennen uns ja noch nicht so gut aus und probieren noch ganz vieles einfach aus. In Einbeck gibt es nicht so viele Läufer wie in Hannover. Im Internet finden sich deswegen kaum Erfahrungswerte, an denen man sich orientieren könnte. Ganz oft fahren wir ein kleines Stück mit dem Auto, entweder nach Norden auf einen Hügelzug mit dem schönen Namen Hube oder Richtung Leinepolder. Auf der Hube laufen wir mit vielen Rehen und etlichen Höhenmetern. Und haben uns auch schon richtig schön kräftezehrend VERlaufen. Im Leinepolder mit zahlreichen Wildvögeln ist es ganz flach. Beides ist schön, beides ist aber immer mit dem Auto verbunden. 

Direkt von Zuhause aus haben wir noch keine tolle Hausrunde gefunden. Da hilft nur: einfach loslaufen und gucken, wo es geht und schön ist. Also wollten wir heute Richtung Westen raus, da erreicht man in wenigen Minuten weite Felder. Kurz vor Erreichen der Stadtgrenze: Ein Knall. Und schon war der Lauf für Lotta vorbei. Kehrtwende. Zurück. SOFORT. Frauchen, bitte! Okay, Lotta. Aber eigentlich ist doch gar nichts, keine Gefahr, Lotta! Können wir nicht doch weiter? Nein. Nichts zu machen. Gar nichts. Zitternd am ganzen Leib habe ich das arme Tier Zuhause wieder abgeliefert.

 

Wo ist der Hund?
Es knallt und Lotta ist nicht mehr zu halten. Also ab nach Hause und alleine wieder los!

 

 

 

 

 

 

Laufen wollte ich natürlich trotzdem noch. Und habe ohne Lotta mal die Runde durch die Stadt gewählt. Der Stadtkern von Einbeck ist umgeben von Wällen, auf denen Fußgängerwege angelegt sind. Bürgermeisterwall, Mühlenwall und Bäckerwall. Das ist für Lotta nicht so spannend, aber aus Läufersicht natürlich sehr schön. Zumal die Wege auch alle beleuchtet und natürlich befestigt sind. Fazit für heute: In den nächsten Tagen mit Lotta nur tief im Wald spazieren gehen. Da knallt höchstens der Jäger. Und der ist vielleicht im Moment nicht so aktiv.

Noch müssen die Beine einfach weiterlaufen

Okay. Ein Ende ist in Sicht. Ich fühle mich gerade wie auf den letzten 5 Kilometern des Frankfurt-Marathons. Total erschöpft und trotzdem irgendwie auch gut. Durchhalten ist angesagt. Eisern durchhalten, Schritt vor Schritt setzen. In Kürze beginnt der euphorische Endspurt, dann der Zieleinlauf. Ich weiß: Ich schaffe es. Noch ist es aber nicht so weit, noch müssen die Beine einfach weiterlaufen.

Dem läuferischen Marathon hat sich in den vergangenen Wochen bei uns nämlich ein ganz persönlicher Marathon angeschlossen: Wir sind umgezogen. Mit Sack und Pack, von Hannover in die kleine Bierstadt Einbeck. Das war eine ganze Menge Arbeit. Das Zeug von vier Personen plus Hund (unser Ältester ist ja bereits ausgezogen, unsere Tochter hat kurz vor unserem Auszug ihre Sachen gepackt und ist nach Göttingen zum Studium umgesiedelt) muss man erst einmal in Kisten hineinbekommen. Fast 170 Kisten waren es am Schluss. Hä, wie geht das, wir haben doch gar nichts?! Doch, wir haben ganz schön viel! Die Erkenntnis kam während des Packens. Denn irgendwie musste das ja alles raus aus dem alten Haus und rein ins neue Haus.

Da allerdings lag das Problem. Das neue Haus ist ein echt altes Haus und das musste erst einmal umfassend saniert werden. Das dauerte länger als geplant, der Umzugstermin stand aber schon fest. Die Lösung: Wir sind mit dem Nötigsten in die kleine Dachgeschosswohnung gezogen, die wir schon seit einem Jahr in Einbeck gemietet haben. Die Vermieterin ist ein Engel und hat dem Plan zugestimmt. Obwohl sie selbst auch im Haus wohnt und wusste, dass wir mit Kleinkind und großem Hund kommen würden. Was für ein Riesenglück! Mehr als vier Wochen sind seitdem ins Land gezogen. Kuschelig war es, so eng aufeinander. Aber auch immer wieder ganz schön anstrengend.

Und jetzt ist endlich ein Ende in Sicht: Morgen werden die Innenarbeiten so gut wie abgeschlossen sein und wir können umziehen! Der grandiose Zieleinlauf beginnt, rund um Weihnachten, wenn alle zusammen und besinnlich sind, folgt der große Jubel. Was für ein Jahr. Ich bin demütig und bewegt. Und freue mich darauf, Einbeck und seine Laufstrecken gemeinsam mit Lotta zu erkunden.

Tatsächlich: Ich bin ein Marathoni

Ich habe es tatsächlich geschafft: Seit gestern bin ich ein Marathoni, der Frankfurt-Marathon ist geschafft. Was für ein Erlebnis, was für ein großartiges Gefühl. Auch heute bin ich immer noch total geflashed. Ein bisschen wie Wolke 7 fühlt sich das an. Die Beine schmerzen schon ein bisschen, aber der Gesamtzustand, einfach grandios. Alles passte gestern: Ich hatte in einem wunderbaren Hotelbett gut geschlafen, fühlte mich fit und war gesund. Das Training in den vergangenen Monaten hätte eh besser nicht sein können. Optimale Startbedingungen!

Naja, das Wetter hätte etwas schöner sein können. Sturmböen und gefühlte frostige 2 Grad Celsius ist nicht unbedingt das, was sich das Läuferherz wünscht. Aber ehrlich: Für mich besser zu ertragen als Hitze. Da wäre ich raus gewesen. Und: Ich hatte ja meinen “Hasen” dabei, meinen Mann, der stetig einen Schritt vor mir lief und mir mit breiter Schulter Windschatten bot. Gemeinsam haben wir das Tempo durchgezogen, fast komplett vom ersten bis zum letzten Meter. 42.195 Meter weit, 4 Stunden und 49 Minuten lang.

In Realität, so sagt es die Laufuhr, sogar noch weiter, nämlich 42,62 Kilometer. Nur 400 Meter mehr. Aber auf den letzten Kilometern des Marathons kamen mir selbst 100 Meter wie eine kleine Ewigkeit vor. Ich lief auf der letzten Rille und wusste: Wenn ich jetzt stehenbleibe, laufe ich nicht nochmal an. Deswegen gabs ab Kilometer 35 auch keine Trinkpause mehr. Das wäre das Ende gewesen. Und das kam natürlich gar nicht in Frage. Hand in Hand sind mein Liebster und ich in der Festhalle über die Ziellinie gelaufen, das war schon sehr emotional, die Tränen sind gelaufen. Seitdem aber habe ich ein Dauerlächeln im Gesicht …

Heute habe ich Lotta aus dem Hundehaus geholt und die Freude war riesig. Fast wieder Tränen – aber da konnte ich mich dann doch zusammenreißen. So ein Quatsch. Aber schön ist es, sie wieder im Haus zu haben. Ein paar Tage Erholungszeit und dann laufen wir beide wieder los, oder Lotta? Und vielleicht finden wir auch irgendwann mal einen Marathon, bei dem Hunde mitlaufen dürfen. Das wäre doch ein tolles neues Ziel …

Sigi und Stephan mit Medaille.
Das Ziel zu erreichen und dann die Medaille in Empfang zu nehmen, ist schon einzigartig!

“Two days to go…”

“Two days to go”… heieiei, wie aufregend! Ich bin schon sehr nervös und freue mich gleichzeitig riesig auf den Frankfurt-Marathon am Sonntag. In dieser Woche bin ich nur zwei Mal gelaufen! Und das auch noch ohne Lotta, ganz einsam. Sie ist schon im Hundehaus Hemmingen und macht dort Urlaub. Glücklicherweise ist sie so gerne dort, dass ich auch kein schlechtes Gefühl habe, sie im Hundehaus zu lassen. Obwohl: Der Moment des Abgebens ist IMMER schwer. Sie weiß ja nicht, dass ich ganz bald zurückkomme und sie dann wieder bei uns ist. Sie wartet ja dann Tag für Tag darauf und wartet und hofft und wartet und hofft … Ein bisschen fühle ich mich schon wie eine Rabenmutter, die einfach keine Lust hat, sich um ihr Hundekind zu kümmern.

Aber nein. Weg mit diesen sinnlosen Gedanken. Nach Frankfurt kann Lotta einfach nicht mit und meine Schwiegereltern können sich nicht mehr um sie kümmern. Punkt. Es geht also nicht anders. Lotta hat es sich nach so vielen Kilometern Laufen auch echt mal verdient, nur Hund zu sein, zu schlafen, zu fressen und mit anderen Hunden zu spielen. So nämlich ist das im Hundehaus. Eigentlich fast wie das Hundeparadies, oder?

Ich bin deswegen in dieser Woche auch an Orten gelaufen, wo ich mit Lotta nicht laufen darf. Zum Beispiel heute im Tiergarten in Kirchrode. Dort dürfen Hunde nicht rein, ich bin also fast nie dort. Vier Kilometern habe ich “abgebummelt” – und hatte danach das Gefühl, überhaupt nicht gelaufen zu sein.

Laufuhr zeigt 4 Kilometer
Wie, schon wieder aufhören? Die Uhr sagt: vier Kilometer solltest Du, vier Kilometer hast Du, also Stopp!

 

 

 

 

 

 

Schon irre, wie sich das im Laufe der Zeit verändert, wenn man regelmäßig trainiert. Ich erinnere mich noch so gut an meine ersten Schritte nach der Geburt unseres Jüngsten. Vor ziemlich genau drei Jahren habe ich das erste Mal wieder die Laufschuhe geschnürt. Wie unsicher war ich da: Darf ich das überhaupt? Ist es nicht schlecht für meinen Körper? Kann ich noch Laufen, nachdem ich vier Kinder auf natürlichem Weg geboren habe?

Heute sage ich: Wie gut, dass ich es gemacht habe und nur auf mich und meinen Körper gehört habe. Das war genau das Richtige. Nun stehe ich kurz vor meinem ersten Marathon. Ich bin bewegt und unendlich dankbar.

Die Aufregung steigt, die Freude auch

Der Frankfurt-Marathon rückt näher, 11 Tage noch, bis ich an der Startlinie stehe. Die Aufregung steigt, die Freude auch. Habe ich gut genug trainiert? Bis zu 70 Kilometer in der Woche haben Lotta und ich gemeinsam gemacht, fast 800 Kilometer sind wir in den vier Monaten zusammen gelaufen, also ziemlich genau 18 Marathons – wow, irgendwie eine beeindruckende Zahl. Und Lotta, unsere tolle Wäller-Hündin, war immer treu an meiner Seite, ist Tag für Tag wieder fröhlich mit mir losgezogen. Was für ein wunderbares Gefühl, ich bin echt dankbar. Am allerschönsten waren die Läufe, die wir zu Dritt unternommen haben: Lotta, mein Mann und ich.

Sigi mit Frankfurt-T-Shirt
Um mich mental auf Frankfurt einzustimmen, habe ich schonmal das passende T-Shirt angezogen

 

 

 

 

 

 

 

Schwer fiel es mir, auch an die ergänzenden Trainingselemente Laufkraft und Lauf-ABC zu denken. Das war mit Lotta schwierig zu bewerkstelligen und so habe ich es immer wieder vergessen. Zweiteres habe ich nur hin und wieder hinbekommen und dann meistens kurz. Die Übungen zur Laufkraft habe ich zumindest im zweiten Abschnitt des Marathon-Trainings recht regelmäßig nach dem Lauf noch auf einer Parkbank absolviert.

https://www.youtube.com/watch?v=tkOMJohKHe8&feature=youtu.be

Habe ich also insgesamt intensiv genug trainiert?

Es wird sich herausstellen. Jetzt ist es erst einmal wichtig, in den kommenden Tagen gesund und munter zu bleiben. Mal sehen, ob das mit einem Dreijährigen, der im Kindergarten täglich mit Millionen von Bakterien und Viren konfrontiert ist, möglich ist. Bis jetzt schaut es gut aus. Aber einmal, beim Einbecker Bierstadtlauf im Mai, habe ich es ja schon erlebt. Top trainiert und trotzdem am Wettkampftag mit Gliederschmerzen aufgewacht. Es bleibt also spannend!

Der letzte 30-Kilometer-Trainingslauf …

So, der letzte 30-Kilometer-Trainingslauf zur Vorbereitung auf den Frankfurt-Marathon ist geschafft: Gestern sind Lotta, mein Mann und ich gemeinsam durch die wunderschöne Region der Mecklenburgischen Seenplatte gelaufen. Und zwar: im Hellen. Der Sturz hat mich doch etwas nachdenklich zurückgelassen. Alles ist wieder heile, glücklicherweise nichts Schlimmeres als Schürfwunden und Prellungen. Aber, ehrlich gesagt, habe ich mich seitdem nicht wieder mit Stirnlampe im Dunkeln raus gewagt. Obwohl ich selbstverständlich auch im Hellen hätte stürzen können.

Gestern zum Beispiel musste man auf den ersten und den letzten fünf Kilometern schon sehr gut nach unten gucken, um nicht ins Stolpern zu geraten. Unebener, weicher Sandboden wechselte mit fiesem Kopfsteinpflaster ab. Das ging vor allem auf den letzten Kilometern echt an die Substanz. Am liebsten hätte ich das Handtuch geworfen. Und Lotta auch. Wir hingen beide total in den Seilen. Lotta hatte das Glück, dass sie nicht weg konnte. War ja an der Leine am Bauch meines Liebsten festgebunden. Aber ich hätte einfach stehenbleiben können. Wie gerne hätte ich mit Lotta getauscht und mich von Herrchen ziehen lassen! Einfach schön in die Leine reinhängen … Natürlich konnte ich mir diese Blöße nicht geben. Nein. Es ging ja noch.

Lotta und Sigi laufend
Vom Dorfhotel aus ging es Richtung Müritz und Waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

Puhh. Waren Lotta und ich froh, als wir es geschafft hatten! Erst mal trinken und durchschnaufen. Und dann: Oh nein! Beim Marathon sind es ja noch 12 dicke Kilometer mehr! Ob das was wird? Gestern hatte ich zum ersten Mal in der Vorbereitungszeit echte Zweifel daran. “Frankfurt hat viel bessere Böden und ist auch viel flacher. Da wird es einfacher”, beruhigte mich mein lieber Mann. Wie gerne glaube ich ihm das. Und wie froh bin ich, dass er mit mir läuft und ich das nicht alleine durchhalten muss!

Ansonsten: Ein absoluter Genusslauf. Direkt ab unserer Unterkunft im Dorfhotel Flesensee ging es in Richtung Müritz und der größten Stadt der Region, Waren. Bis dort hin sind wir nicht gekommen, sondern in Klink umgedreht und denselben Weg wieder zurückgelaufen. Leicht hügelige Landschaft, entlang an weiten Feldern, immer wieder durch Wald und vor allem: immer wieder mit schönem frischen Seewasser für Lotta. Lecker!

Lotta, Stephan und ich an der Müritz
In der Müritz konnte Lotta immer wieder lecker Seewasser trinken.