Wie kam es eigentlich dazu?

Wie kam es eigentlich dazu? Seit mehr als vier Jahren laufen Lotta und ich ganz regelmäßig zusammen – ich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen! Dass das einmal so gut klappen und vor allem so erfüllend sein würde, war jedoch ganz und gar nicht klar. Unsere hartnäckige Erziehung war geprägt von vielen Aufs und Abs und musste erst einmal in Lottas sturem Hirn verankert werden – das war ganz schön stressig…

Als kleiner, zuckersüßer Welpe kam Lotta 2014 zu uns ins Haus. Mein Mann und ich hatten von vornherein das Ziel, mit Lotta unsere Trainingsrunden zu drehen. Beide liefen wir Halbmarathon oder Marathon, das Laufen war (und ist!) uns extrem wichtig. Der Hund, der zu uns kommen sollte, musste also zweierlei erfüllen: Er musste familientauglich (Kinder!) und leistungsfähig (Langstrecke!) sein. Nach intensiver Suche entschieden wir uns für die Rasse Wäller und fanden Lotta bei einer privaten Züchterin in Norddeutschland. Ein Glück!

Schritt für Schritt wurden wir besser und heute sind Lotta und ich ein eingespieltes Team.

Bis sie das erste Mal mit uns laufen durfte, verging fast ein ganzes Jahr. Und dann durfte ich erst einmal gar nicht mit ihr los! Ich war schwanger mit dem vierten Kind und hatte striktes Sportverbot … Na super! Knapp ein Jahr nach der Geburt unseres Jüngsten aber gab es kein Halten mehr. Lotta war inzwischen ganz ausgewachsen, ich wieder fit und Lotta hatte bereits mit meinem Mann geübt. Ich schnallte mir eines Tages also erstmals den Laufgurt um und gebe zu: Ich hatte riesigen Respekt!

Lotta ist ein großartiger Hund, aber sie hat auch ihre Eigenheiten. Anfangs, zum Beispiel, sprang sie immer an mir hoch und schnappte nach der Laufleine. Oder sie rannte los und riss mich mit 27 Kilogramm Lebendgewicht und Vierbeinantrieb fast um. Oder sie sprang plötzlich zur Seite, um ein Mäuschen zu fangen. Oder sie rannte weg, wenn ich sie nicht an der Leine hatte. Oder oder oder. Hin und wieder hätte ich fast aufgegeben… Doch das Dranbleiben hat sich gelohnt. Schritt für Schritt wurden wir besser – heute sind wir ein Team, das viel zusammen erlebt und sich fast immer einig ist: Du willst ein Foto machen, Frauchen? Okay, dann warte ich. Du willst schnüffeln, Lotta? Okay, ich bleibe kurz stehen. Du willst schneller laufen, Frauchen? Na, dann los! Du willst Häschen jagen, Lotta? Forget it!

Laufen gibt ganz viel Kraft

Laufen gibt Kraft. So zumindest ist es bei mir. Das betone ich immer und immer wieder, wenn man mich fragt. Manchmal auch, wenn man mich nicht fragt, ich gebs zu. Fürs Laufen brauche ich natürlich auch Kraft, körperliche Kraft. Und manchmal auch mentale Kraft. Wenn es draußen eiskalt und dunkel ist, zum Beispiel, und ich trotzdem los soll und will. Doch das, was ich zurückbekomme, ist immer so viel mehr: Nach jedem Lauf komme ich total glücklich und zufrieden nach Hause. Alle meine Akkus sind dann voll geladen. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, warum ich am liebsten morgens laufe. So starte ich mit einem Energieboost in den Tag, der mich meist bis abends trägt.

Gerade in einer Zeit wie dieser, die belastet ist mit großer Unsicherheit und diffusen Ängsten, ist dies Gold wert. Für mich sogar fast lebensnotwendig, glaube ich manchmal. Ich bin so dankbar dafür, dass ich diesen Sport vor vielen Jahren für mich entdeckt und liebevoll gepflegt habe.

Während des Laufs tauche ich komplett ab aus dieser Welt. Ich konzentriere mich vollständig auf die Tätigkeit des Laufens. Das ist für mich wie eine Art der Meditation. Ich denke fast nichts – ich laufe einfach. Dadurch, dass Lotta in der Regel an der Leine bleibt, unterstützt sie mich durch die Gleichmäßigkeit ihrer Schritte. Klar, sie unterbricht das auch hin und wieder, wenn sie ein Mäuschen sieht und danach springt oder in der Ferne einen Feld (weg-) hasen ausmacht und hinterher sprinten möchte. Anschließend finden wir schnell wieder in unseren Rhythmus.

Gemeinsam konzentrieren wir uns auf die Schritte unseres Laufs.

Dadurch, dass Lotta und ich fast immer alleine laufen, mussten wir zwar vieles in unserem Alltag umstellen – dieses aber nicht. Das tut gerade unendlich gut. Unseren regelmäßigen gemeinsamen Lauf, den wir schon so lange zusammen machen, schätze ich schon immer so sehr. Jetzt ist er zusätzlich eine stärkende Konstante in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Und gibt mir noch mehr Kraft als üblich für alle Herausforderungen, die dieser neue Alltag mit sich bringt.

HF high! HF high! HF high!

Unseren heutigen Morgenlauf fand Lotta maximal komisch. In den ersten zehn Minuten blickte sie sich ständig nach mir um. He, Frauchen, wo bleibst Du denn? Wollen wir jetzt nicht mal so langsam Gas geben? Nein, Lotta, bleib ruhig! Frauchen muss sich erst einlaufen – und das dauert zehn Minuten. Sagt die Laufuhr. Denn die hatte ich, das erste Mal in meiner Lauf”karriere”, programmiert. Jawoll. Der neue Trainingsplan, entworfen von meinlauftrainer.de, sieht nämlich “Minutenläufe” vor. Heute: Zehn Minuten Einlaufen, dann insgesamt fünf Mal jeweils im Wechsel drei Minuten schnell und zwei Minuten langsam und zehn Minuten Auslaufen. Zugrundegelegt hatte ich die aus den vielen Läufen der Vergangenheit auf der Uhr gespeicherten Daten der Herzfrequenz.

Und das war wohl ein Fehler. Schon nach zwei Minuten Einlaufen piepste die Uhr wie verrückt. HF high! HF high! HF high! What?? Ich gurkte in einer 8er-Pace mehr gehend als laufend vor mich hin! Ich blieb stehen, kontrollierte die Uhr. Alles okay. Lief wieder an … HF high! HF high! HF high! Hm. Was nun? Noch langsamer? Stehenbleiben? Abbrechen? Alles keine Alternativen. Ich erinnerte mich an die Ausführungen, die mir der nette Lauftrainer mit dem Plan mitgeliefert hatte: “Langsamer Dauerlauf: Eine subjektiv lockere Einheit ist hier wichtiger als die HF! Sprechtest: Sehr problemlose Konversation in ganzen Sätzen”.

Erfolgreich erledigt: Die ersten Minutenläufe meiner Lauf”karriere” waren ein ziemliches Hin- und Her …

Ich beschloss also, das Dauerpiepsen der Uhr für das weitere Training einfach zu ignorieren. Und stattdessen mit Lotta zu quatschen. In vollständigen Sätzen erklärte ich ihr ausführlich, was wir gerade machen und warum und wie lange und und und. Wie immer lauschte sie konzentriert 🙂 – aber auch sehr verwundert. Während der schnellen Drei-Minuten-Abschnitte hielt ich den Mund und gab so viel Gas wie ich konnte. Was ist denn jetzt wieder los, Frauchen? Wollten wir nicht bummeln? Warum jetzt plötzlich so schnell? Und warum sagst Du jetzt plötzlich nichts mehr? Was für ein Durcheinander heute …

Nach einigem Hin- und Her fanden wir beide unseren Rhythmus. Lotta begriff, dass Schnüffeln, Pipimachen & Co. nur in den langsamen Abschnitten möglich war und ich freute mich über die Abwechslung der unterschiedlichen Tempi. Den ganzen Winter über nämlich sind wir einen relativ stabilen 5:45-Schnitt gelaufen, haben nur die Länge der Strecken variiert. Einfach so, wie es mir in den Kopf kam. Doch jetzt: Auf geht’s in die neue Saison! Ich freu mich drauf …

Wo bleibt das Licht?

Irgendwann im Januar ereilt es mich immer: Ich habe die Dunkelheit satt. Und zwar so richtig. Wo bleibt das Licht? Ich möchte endlich wieder mehr Tageslicht sehen! Vor allem morgens, denn da laufe ich ja meist. Besonders, wenn die Weihnachtsferien vorbei sind, ist die Umstellung auf dunkle Morgenläufe wieder hart. Schließlich konnte man in den Ferien ja irgendwann am Tag laufen – also natürlich in der Regel dann, wenn es hell war oder zumindest während des Laufs hell wurde. Während der Schulzeit im Alltag geht das in der Regel nicht.

Mit dem ersten Schultag im Jahr ist das schöne Läuferleben im Hellen also wieder schlagartig vorbei. Zwar arbeitet sich rein rechnerisch das Tageslicht ja schon seit mehr als zwei Wochen von Tag zu Tag je ein oder zwei Minütchen vor – aber das merkt man erst einmal nur am Nachmittag. Morgens bleibt es einfach finster. Und ist es seit gefühlten Ewigkeiten. “Blöder dunkler, grauer Winter”, murre ich dann schon mal gerne. Obwohl ich den Winter und das Laufen bei kalten Temperaturen eigentlich wirklich besonders liebe.

Dieses Bild zeigt die Dunkelheit
Eine gute Stirnlampe hilft, die Dunkelheit zu mildern.

Einen Winter lang bin ich im Dunkeln gar nicht gelaufen. Nicht, weil ich keine Lust hatte auf die Dunkelheit, sondern weil ich im Winter davor so richtig auf die Nase gefallen bin. Und zwar am dunkelsten Punkt meiner damaligen Hausrunde, irgendwo im Wald. Rutschende Stirnlampe, unkonzentriert – und patsch! Blutiges Kinn, blaue Knie und auch im Nachhinein ein bisschen Panik mit blödsinnigen Gedanken: Was hätte alles passieren können?

Deswegen habe ich mir in diesem Winter eine neue Stirnlampe gekauft. Die hat, anders als die alte, vorne an der Stirn das Licht und hinten den Akku. Sitzt bombenfest, man braucht also nicht während des Laufs daran rumzuppeln. Lotta hat ein kleines, aber stark leuchtendes Lämpchen bekommen, das an ihrem Laufgeschirr befestigt ist. So sind wir seit ein paar Wochen gut sichtbar und sicher in der Dunkelheit unterwegs. Das macht das Laufen in der Dunkelheit wenigstens erträglich. Und, da bin ich ganz sicher, das Licht kommt wieder! Minütchen für Minütchen, jeden Tag ein bisschen mehr …

Laufen für die Crowd

Immer mal wieder was Neues ausprobieren – das macht mir riesigen Spaß. Mit Lotta an der Seite noch mehr. In den vergangenen zwei Wochen haben Lotta und ich deswegen unseren ersten “virtual run” gemacht. Ja, was ist das? 15 Tage lang ging es darum, möglichst viele Kilometer zu laufen, zu schwimmen oder zu radeln. Wir sind natürlich gelaufen, klar. Radfahren mit Lotta … heieiei … das ist ein anderes Thema. Und schwimmen? Geht natürlich gar nicht mit unserer wasserscheuen Prinzessin.

Bevor wir losgelegt haben, haben wir bei Crowdlauf eine Medaille gekauft. Damit haben wir sozusagen die Starterlaubnis erworben. Gleichzeitig ging ein Teil dieses Geldes in den Spendentopf. Mit der schönen Medaille zusammen bekamen wir, liebevoll verpackt, eine Startnummer zugesandt. Der Lauf hatte das Motto “everybody is perfect”, jeder ist großartig, genau so wie er ist! Mit all seinen Ecken und Kanten, Macken und Besonderheiten.

Die Medaillen sind besonders aufwändig und schön.

Vom 1. bis 15. Dezember durften wir dann Laufen – so oft, so lang und so schnell wie wir wollten. Jeden Lauf mussten wir online in ein Formular bei Crowdlauf eintragen und zusätzlich ein Foto von uns, den Kilometern und der Startnummer in sozialen Netzwerken postet. Wir haben das bei Instagram und Facebook getan. Auf diese Weise hat die gesamte Crowd zusammen Punkte gesammelt. Unser gemeinsames Ziel war es, so viele Punkte zu er”sporteln”, wie wir benötigten, um den ganzen ausgelobten Spendentopf (30 Prozent des Jahresgewinns von Crowdlauf) dem Verein Lebenshilfe e.V. zukommen zu lassen.

Für jeden einzelnen Sportler, der mitmachte, war das ein großer Ansporn – das hat man an den vielen begeisterten Posts deutlich gemerkt. Und auch ich, die ich ja damit angebe, beim Laufen keinen inneren Schweinehund zu kennen, hab auf meine fast tägliche Runde immer noch ein Schippchen draufgelegt. Komm Lotta, eine Erweiterung machen wir noch! Oder sogar die längere? Lotta macht eh alles mit und auch beim Foto hat sie stets brav posiert, die Gute!

Lotta hat bei jedem Wetter immer brav fürs Foto posiert…

So kamen wir in 15 Tagen auf fast 90 gemeinsam gelaufene Kilometer – das ist deutlich über unserem wöchentlichen Winterziel von 30 Kilometern. Ich bin stolz auf uns, äußerst zufrieden mit dem Ergebnis der Crowd (30 Prozent des Jahresgewinns gehen an die Lebenshilfe!) und freue mich schon auf den nächsten virtual run, bei dem wir mitmachen können!

Alles Yoga, oder was?!

Was, bitte, soll das denn schon wieder? Was hast Du jetzt denn vor? Hier lieg doch ICH! Ab, Lotta, mein Platz! Eine eindeutige Handbewegung von mir genügte, um die Matte frei zu machen. Dort nämlich hatte Lotta sich nach unserem Morgenlauf schön gemütlich drauf platziert. Ist ja auch mollig warm von unten, klar! Beim Lauf in der Dunkelheit hatte es geregnet, wir sind beide durch und durch nass geworden. Also verständlich. Trotzdem wollte ich heute die Beine noch ein bisschen auf der Black Roll ausrollen – Verletzungsprophylaxe! Lotta hat das ja nicht nötig – ich schon. Kleinste Zipperlein werden auf diese Weise effektiv weggerollt, lange bevor sie groß und schmerzhaft werden. Ist also gut und geht auch schnell.

Lotta auf der Matte
Lotta liegt auf der Matte

Alle anderen Arten des Alternativtrainings oder des zusätzlichen Trainings behandle ich leider eher stiefmütterlich. Ich würde ja gerne, aber mir fehlt die Zeit. Sag ich zumindest. Fakt ist wahrscheinlich aber auch, dass der innere Schweinehund, den ich beim Laufen echt nicht kenne, diesbezüglich zu groß ist. Abends im Winter zum Beispiel: Sobald es draußen dunkel ist, wird es für mich innerlich kuschelig. Dann will ich nicht nochmal raus in die Kälte und irgendwo hinfahren oder hingehen, ins Fitnessstudio zum Beispiel. Da möchte ich viel lieber lecker essen, mit dem Kleinsten lesen und kuscheln und selbst auch möglichst früh ins Bett gehen.

Allerdings merke ich, dass die gesamte Beweglichkeit des Körpers mit dem Älterwerden nicht gerade besser wird. Trotz des vielen Laufens. Lange versuche ich deswegen schon, Yoga zuhause in meinen Alltag zu integrieren. Mit mäßigem Erfolg. Es kommt zu oft was dazwischen, außerdem fehlt die kompetente Anleitung. Jetzt, nachdem ich ein langes Auszeit-Wochenende (von Laufen.de top organisiert!) zum Thema Laufen und Yoga mitgemacht und sehr genossen habe, starte ich einen neuen Anlauf. Ein Yoga-Studio ganz in der Nähe ist gefunden, das Angebot ist breit und vielfältig. Das Gute: Es gibt auch Vormittagskurse und man kann alle Kurse ganz flexibel besuchen. Ich bin angemeldet und sehr gespannt!

Rumgeeiere!

Puhh. Die vergangenen Wochen waren ein ganz schönes “Rumgeeiere”. Eine fiese Halsentzündung hatte mich erwischt, Fieber kam hinzu, tagelang. Selbstverständlich war an Laufen auch nicht ansatzweise zu denken. Fieber schaltet mich einfach komplett aus. Mein Start beim Hiddestorfer Rübenlauf – dahin!

Schwierig wurde es, sobald ich wieder raus konnte aus dem Bett. Dann nämlich werde ich wirklich kribbelig und möchte los. Dieses Mal ganz besonders, denn ich wusste: Vor mir liegen noch der Halbmarathon beim Dreiländermarathon am Bodensee und der Start für eine Staffel für einen guten Zweck beim Münchenmarathon. Sobald die Halsschmerzen mehr oder weniger verschwunden waren, schnappte ich mir Lotta – und los ging es! Langsam und nur kurze Strecken, aber wenigstens ein bisschen Laufen… Wie schön!

Das fühlte sich erst einmal gut an. Nach drei Tagen aber meldeten sich die Halsschmerzen zurück, ohne Fieber. Also wieder: Laufpause. Erst am Tag vor dem Dreiländermarathon schnürte ich wieder die Laufschuhe, die Halsschmerzen waren weg. So konnte ich in Lindau an den Start gehen – ein wunderbares Erlebnis. Allerdings merkte ich während des Laufs, dass ich nicht ganz fit war. Das Tempo stimmte nicht, die Kräfte fehlten, es war ein echter Kampf, die Strecke bis zum Ende zu laufen. Immer wieder der Gedanke: Wäre Aufhören nicht doch besser? Und vor allem gesünder? Ich habe durchgezogen.

Medaille Bodensee
Sigi mit Medaille

Was nun? Beine hochlegen bis zum Münchenmarathon eine Woche später. Totale Regeneration. Hat geklappt, alles fühlte sich wieder bestens an. Doch dann: 25 Grad und pralle Sonne in München am Marathontag. Mein Start als Letzte der Staffel, 15.3 Kilometer über Asphalt waren zu bewältigen. Ich weiß einfach: Ich bin keine Hitzeläuferin. Temperaturen jenseits der 18-Grad-Marke belasten mein Herz-Kreislaufsystem unglaublich. Zusätzlich musste ich stundenlang warten, bis die anderen Staffelläufer ihre Strecken hinter sich gebracht hatten. Aber ich wusste: die Staffel kann nicht starten, wenn ich nicht starte.

Noch einmal habe ich die Zähne zusammengebissen und irgendwie bin ich ins Ziel gekommen. Das war, gemeinsam mit den anderen Läufern, ein wirklich erhebendes Gefühl – wenngleich bei mir mit einem leicht mulmigen “Untergefühl”. Und es kam, wie es – wahrscheinlich – kommen musste. Drei Tage danach hatte ich wieder Fieber, diesmal mit heftigem Schnupfen. Wieder Bett, wieder tagelange Laufpause.

Tsja. Was nehme ich nun aus dieser Erfahrung mit? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht wirklich. Ich glaube, ich habe mich relativ vernünftig verhalten. Vielleicht plane ich aber für das kommende Jahr nur einen Wettkampf im Herbst, nicht drei in Folge. Das war dann wohl doch zu viel. Auch, wenn es so viel Spaß macht und so so schön ist…

Und wie das schmeckt!

Lotta liebt Obst. Während des Laufens versucht sie alles aufzusammeln, was sie irgendwie erreicht: Mirabellen, Kirschen, Zwetschgen, Äpfel, Birnen … Je nach Jahreszeit. Am liebsten mag sie es, wenn die guten Stücke schon leicht vergammelt sind und auf dem Boden kleben. Dann macht sie einen spontanen Stopp, Vollbremsung auf vier Pfoten und sofort rein damit – das kann manchmal am Bauch beim mir ein wenig schmerzen, schließlich werde ich auch zur Vollbremsung gezwungen… Aber meistens sehe ich die Bäume ja schon vorher und weiß, was auf mich zukommt. Dann laufe ich entweder große Bögen drumherum oder bereite mich innerlich auf den kommenden Stopp vor. Bauchmuskeln anspannen!

Ein von uns beiden geliebtes Ritual ist aber die Zubereitung meines Müslis irgendwann im Laufe des Tages. Je nachdem, wann es passt. Das zelebrieren wir richtig. Sobald ich die Müslischüssel hole, steht Lotta schon parat. Jeden Handgriff verfolgt sie mit aufmerksamsten Augen – und weiß ganz genau: gleich krieg ich was! Ich schneide das Obst in Stücke … Und natürlich bekommt sie etwas davon ab! Nebenbei: auch Gemüse verschmäht sie keineswegs. Am Schluss kommt noch Joghurt drüber – und wer darf den Becker ausschlecken? Na klar, Lotta!

Lotta bekommt Banane
Müsli ist so lecker! Vor allem mit Obst. Und Lotta bekommt natürlich was davon ab.

Ob das für sie ebenso gesund ist wie für uns Menschen, weiß ich eigentlich nicht. Fest steht: Von Obst muss sie pupsen. Und wie das stinkt! Nicht schön, wenn man abends zusammen auf dem Sofa kuschelt… Vermutlich ist Fleisch doch die für sie gesündere Variante. Aber ergänzend? Ich muss mich damit mal intensiver beschäftigen und das ausführlich recherchieren. Wird aufgeschrieben, versprochen!

Weniger ist manchmal mehr

Heute sind Lotta und ich nicht die geplanten 14 Kilometer (Laufplan für den Hiddestorfer Rübenlauf!) gelaufen, sondern nur weniger als die Hälfte. Denn: Weniger ist manchmal mehr. Ich hatte in den vergangenen zwei Tagen mit leichten Halsschmerzen und einem undefinierten Schmerz im Rücken zu tun und Lotta wurde gestern geimpft. Also: Laufpensum runterfahren, Ausruhzeiten erhöhen! Spaß hat es trotzdem gemacht, sowohl die Halsschmerzen als auch der Schmerz im Rücken sind fast weg :-). Der Morgenlauf tut einfach immer unendlich gut!

Sigi und Lotta
Sigi und Lotta beim Morgenlauf – ein Genuss!

Auch zu meinem Blog passt das Motto im Moment gut. Seit unserem Umzug von Hannover nach Einbeck habe ich einfach zu wenig Zeit für das “schöne” Freizeitschreiben gehabt. Deswegen habe ich mich vor allem auf Bilder und kurze Posts bei Instagram beschränkt – es ging einfach nicht mehr neben Arbeit, Familie und Haus. Jetzt, ein gutes Dreivierteljahr später, pendelt sich alles langsam ein. Wir haben einen funktionierenden Alltag, die Sanierung des Hauses ist für dieses Jahr fast abgeschlossen, die Arbeit läuft wieder entspannter. Es ist wieder Luft, sich um andere Dinge zu kümmern.

Momentan stecken Lotta und ich mitten in der Vorbereitung für unseren Lieblingslauf in Hiddestorf. Der Halbmarathon soll es werden und mit der #runningchallenge von Marquardtrunning bereiten wir uns darauf vor, Bestzeit zu laufen. Naja. Mal sehen. Gerade vor zwei Tagen habe ich im Workshop gelernt, dass ich eigentlich nicht schnell laufen kann – weil ich nicht langsam laufen kann. “Wer nicht langsam laufen kann, kann auch nicht schnell laufen”, so der Lauf-Doc. Frustrierend. Denn ich schaffe alle im Laufplan vorgesehenen Laufeinheiten mühelos – nur die langsamen nicht. Dann nämlich komme ich mir vor wie eine lustlos dahinkriechende Schnecke, und lege automatisch einen Zahn zu. Es ist einfach nicht zu machen!

Einen nächsten Versuch starte ich am Wochenende: Dann gewinnt derjenige, der Laufdistanz und Durchschnittspace auf die Sekunde genau trifft, eine Dose Cola. Das ist doch ein Ansporn, oder? Also: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Run slow – but run!

Müde Beine tragen schwer …

Heute war einer dieser Tage, die ich glücklicherweise selten habe: Die Beine waren so schwer und müde, dass ich das Gefühl hatte, eigentlich gar nicht vom Fleck zu kommen. Über jeden kurzen Stopp von Lotta (Piseln, Haufen machen, Schnuppern, Schnuppern, Schnuppern, Piseln, Gras fressen, wieder schnuppern …) war ich dankbar. Was Lotta, Du bist schon fertig? Ja, Frauchen, weiter gehts! Warte, Lotta, Frauchen muss sich noch die Nase putzen … Okay, fertig. Eine Frage, Lotta: Trägst Du mich? Ach nee, Frauchen, das musst Du schon selbst machen … Heieiei. Irgendwie haben wir es trotzdem geschafft, die 8 Kilometer, die ich mir vorgenommen hatte, zu schaffen. Die Strecke kam mir länger vor als der Marathon letztes Jahr!

Lotta, trägst Du mich? Ach nein, Frauchen, lass mal. Das musst Du schon selbst schaffen …

Warum ich so schwere Beine hatte, kann ich mir gar nicht erklären. Vielleicht, weil Lotta und ich gestern so den Berg hochgespurtet sind? Wir hatten nur kurz Zeit und ich wollte, dass Lotta sich ein bisschen auspowert. Ich wusste, dass sie tagsüber ziemlich oft im Auto in der Box sitzen würde. Beim Bergsprint habe ich mich selbst wohl auch ein bisschen übernommen. Dazu kommt sicherlich, dass ich den ganzen Tag über dann nichts Vernünftiges gegessen habe. Üblicherweise trinke ich nach dem Lauf auch ein “Pülverchen” (Name wird nicht verraten, das wäre ja Werbung!), aber selbst dafür hatte es gestern nicht gereicht. Ich schlug mich also mit Brezel, Brötchen und Schoki durch. Nicht optimal.

Inzwischen glaube ich nämlich das, was die Experten sagen: dass die richtige und passende Ernährung eine sehr wichtige Rolle für Leistung und Regeneration spielt. Ich denke, dass mir gestern für die Regeneration die Eiweiße gefehlt haben. Und heute für die Leistung die Kohlenhydrate. Gestern Abend habe ich kaum etwas zu mir genommen, heute früh nur Kaffee mit Milch. Das habe ich beim heutigen Morgenlauf wahrscheinlich ziemlich deutlich gespürt. Die Beine hatten einfach gar keine Möglichkeit, neue Energie zu tanken. Also habe ich heute gelernt: künftig besser aufs Essen achten!