Archiv für den Monat: Dezember 2018

Silvester naht. Es knallt.

Es ist wieder soweit: Silvester naht. Überall und zu jeder Tages- oder Nachtzeit knallt es. Irgendwo. Selbst morgens um acht. Das ist nix für Lotta. Sie hasst dieses Geräusch. Frauchen, ich muss nach Hause! Jetzt! Sofort!! Entspannt rausgehen? Ist in diesen Tagen Fehlanzeige. Man muss immer darauf gefasst sein, dass sie auf der Stelle, in Bruchteilen einer Sekunde, umdreht und unter vollem Einsatz ihres Vierradantriebs nach Hause rennt. Ich kann sie dann kaum halten.

Heute haben wir uns gemeinsam direkt aus unserem neuen Zuhause auf den Weg gemacht. Wir kennen uns ja noch nicht so gut aus und probieren noch ganz vieles einfach aus. In Einbeck gibt es nicht so viele Läufer wie in Hannover. Im Internet finden sich deswegen kaum Erfahrungswerte, an denen man sich orientieren könnte. Ganz oft fahren wir ein kleines Stück mit dem Auto, entweder nach Norden auf einen Hügelzug mit dem schönen Namen Hube oder Richtung Leinepolder. Auf der Hube laufen wir mit vielen Rehen und etlichen Höhenmetern. Und haben uns auch schon richtig schön kräftezehrend VERlaufen. Im Leinepolder mit zahlreichen Wildvögeln ist es ganz flach. Beides ist schön, beides ist aber immer mit dem Auto verbunden. 

Direkt von Zuhause aus haben wir noch keine tolle Hausrunde gefunden. Da hilft nur: einfach loslaufen und gucken, wo es geht und schön ist. Also wollten wir heute Richtung Westen raus, da erreicht man in wenigen Minuten weite Felder. Kurz vor Erreichen der Stadtgrenze: Ein Knall. Und schon war der Lauf für Lotta vorbei. Kehrtwende. Zurück. SOFORT. Frauchen, bitte! Okay, Lotta. Aber eigentlich ist doch gar nichts, keine Gefahr, Lotta! Können wir nicht doch weiter? Nein. Nichts zu machen. Gar nichts. Zitternd am ganzen Leib habe ich das arme Tier Zuhause wieder abgeliefert.

 

Wo ist der Hund?

Es knallt und Lotta ist nicht mehr zu halten. Also ab nach Hause und alleine wieder los!

 

 

 

 

 

 

Laufen wollte ich natürlich trotzdem noch. Und habe ohne Lotta mal die Runde durch die Stadt gewählt. Der Stadtkern von Einbeck ist umgeben von Wällen, auf denen Fußgängerwege angelegt sind. Bürgermeisterwall, Mühlenwall und Bäckerwall. Das ist für Lotta nicht so spannend, aber aus Läufersicht natürlich sehr schön. Zumal die Wege auch alle beleuchtet und natürlich befestigt sind. Fazit für heute: In den nächsten Tagen mit Lotta nur tief im Wald spazieren gehen. Da knallt höchstens der Jäger. Und der ist vielleicht im Moment nicht so aktiv.

Noch müssen die Beine einfach weiterlaufen

Okay. Ein Ende ist in Sicht. Ich fühle mich gerade wie auf den letzten 5 Kilometern des Frankfurt-Marathons. Total erschöpft und trotzdem irgendwie auch gut. Durchhalten ist angesagt. Eisern durchhalten, Schritt vor Schritt setzen. In Kürze beginnt der euphorische Endspurt, dann der Zieleinlauf. Ich weiß: Ich schaffe es. Noch ist es aber nicht so weit, noch müssen die Beine einfach weiterlaufen.

Dem läuferischen Marathon hat sich in den vergangenen Wochen bei uns nämlich ein ganz persönlicher Marathon angeschlossen: Wir sind umgezogen. Mit Sack und Pack, von Hannover in die kleine Bierstadt Einbeck. Das war eine ganze Menge Arbeit. Das Zeug von vier Personen plus Hund (unser Ältester ist ja bereits ausgezogen, unsere Tochter hat kurz vor unserem Auszug ihre Sachen gepackt und ist nach Göttingen zum Studium umgesiedelt) muss man erst einmal in Kisten hineinbekommen. Fast 170 Kisten waren es am Schluss. Hä, wie geht das, wir haben doch gar nichts?! Doch, wir haben ganz schön viel! Die Erkenntnis kam während des Packens. Denn irgendwie musste das ja alles raus aus dem alten Haus und rein ins neue Haus.

Da allerdings lag das Problem. Das neue Haus ist ein echt altes Haus und das musste erst einmal umfassend saniert werden. Das dauerte länger als geplant, der Umzugstermin stand aber schon fest. Die Lösung: Wir sind mit dem Nötigsten in die kleine Dachgeschosswohnung gezogen, die wir schon seit einem Jahr in Einbeck gemietet haben. Die Vermieterin ist ein Engel und hat dem Plan zugestimmt. Obwohl sie selbst auch im Haus wohnt und wusste, dass wir mit Kleinkind und großem Hund kommen würden. Was für ein Riesenglück! Mehr als vier Wochen sind seitdem ins Land gezogen. Kuschelig war es, so eng aufeinander. Aber auch immer wieder ganz schön anstrengend.

Und jetzt ist endlich ein Ende in Sicht: Morgen werden die Innenarbeiten so gut wie abgeschlossen sein und wir können umziehen! Der grandiose Zieleinlauf beginnt, rund um Weihnachten, wenn alle zusammen und besinnlich sind, folgt der große Jubel. Was für ein Jahr. Ich bin demütig und bewegt. Und freue mich darauf, Einbeck und seine Laufstrecken gemeinsam mit Lotta zu erkunden.