Archiv für den Monat: Oktober 2018

Tatsächlich: Ich bin ein Marathoni

Ich habe es tatsächlich geschafft: Seit gestern bin ich ein Marathoni, der Frankfurt-Marathon ist geschafft. Was für ein Erlebnis, was für ein großartiges Gefühl. Auch heute bin ich immer noch total geflashed. Ein bisschen wie Wolke 7 fühlt sich das an. Die Beine schmerzen schon ein bisschen, aber der Gesamtzustand, einfach grandios. Alles passte gestern: Ich hatte in einem wunderbaren Hotelbett gut geschlafen, fühlte mich fit und war gesund. Das Training in den vergangenen Monaten hätte eh besser nicht sein können. Optimale Startbedingungen!

Naja, das Wetter hätte etwas schöner sein können. Sturmböen und gefühlte frostige 2 Grad Celsius ist nicht unbedingt das, was sich das Läuferherz wünscht. Aber ehrlich: Für mich besser zu ertragen als Hitze. Da wäre ich raus gewesen. Und: Ich hatte ja meinen “Hasen” dabei, meinen Mann, der stetig einen Schritt vor mir lief und mir mit breiter Schulter Windschatten bot. Gemeinsam haben wir das Tempo durchgezogen, fast komplett vom ersten bis zum letzten Meter. 42.195 Meter weit, 4 Stunden und 49 Minuten lang.

In Realität, so sagt es die Laufuhr, sogar noch weiter, nämlich 42,62 Kilometer. Nur 400 Meter mehr. Aber auf den letzten Kilometern des Marathons kamen mir selbst 100 Meter wie eine kleine Ewigkeit vor. Ich lief auf der letzten Rille und wusste: Wenn ich jetzt stehenbleibe, laufe ich nicht nochmal an. Deswegen gabs ab Kilometer 35 auch keine Trinkpause mehr. Das wäre das Ende gewesen. Und das kam natürlich gar nicht in Frage. Hand in Hand sind mein Liebster und ich in der Festhalle über die Ziellinie gelaufen, das war schon sehr emotional, die Tränen sind gelaufen. Seitdem aber habe ich ein Dauerlächeln im Gesicht …

Heute habe ich Lotta aus dem Hundehaus geholt und die Freude war riesig. Fast wieder Tränen – aber da konnte ich mich dann doch zusammenreißen. So ein Quatsch. Aber schön ist es, sie wieder im Haus zu haben. Ein paar Tage Erholungszeit und dann laufen wir beide wieder los, oder Lotta? Und vielleicht finden wir auch irgendwann mal einen Marathon, bei dem Hunde mitlaufen dürfen. Das wäre doch ein tolles neues Ziel …

Sigi und Stephan mit Medaille.

Das Ziel zu erreichen und dann die Medaille in Empfang zu nehmen, ist schon einzigartig!

“Two days to go…”

“Two days to go”… heieiei, wie aufregend! Ich bin schon sehr nervös und freue mich gleichzeitig riesig auf den Frankfurt-Marathon am Sonntag. In dieser Woche bin ich nur zwei Mal gelaufen! Und das auch noch ohne Lotta, ganz einsam. Sie ist schon im Hundehaus Hemmingen und macht dort Urlaub. Glücklicherweise ist sie so gerne dort, dass ich auch kein schlechtes Gefühl habe, sie im Hundehaus zu lassen. Obwohl: Der Moment des Abgebens ist IMMER schwer. Sie weiß ja nicht, dass ich ganz bald zurückkomme und sie dann wieder bei uns ist. Sie wartet ja dann Tag für Tag darauf und wartet und hofft und wartet und hofft … Ein bisschen fühle ich mich schon wie eine Rabenmutter, die einfach keine Lust hat, sich um ihr Hundekind zu kümmern.

Aber nein. Weg mit diesen sinnlosen Gedanken. Nach Frankfurt kann Lotta einfach nicht mit und meine Schwiegereltern können sich nicht mehr um sie kümmern. Punkt. Es geht also nicht anders. Lotta hat es sich nach so vielen Kilometern Laufen auch echt mal verdient, nur Hund zu sein, zu schlafen, zu fressen und mit anderen Hunden zu spielen. So nämlich ist das im Hundehaus. Eigentlich fast wie das Hundeparadies, oder?

Ich bin deswegen in dieser Woche auch an Orten gelaufen, wo ich mit Lotta nicht laufen darf. Zum Beispiel heute im Tiergarten in Kirchrode. Dort dürfen Hunde nicht rein, ich bin also fast nie dort. Vier Kilometern habe ich “abgebummelt” – und hatte danach das Gefühl, überhaupt nicht gelaufen zu sein.

Laufuhr zeigt 4 Kilometer

Wie, schon wieder aufhören? Die Uhr sagt: vier Kilometer solltest Du, vier Kilometer hast Du, also Stopp!

 

 

 

 

 

 

Schon irre, wie sich das im Laufe der Zeit verändert, wenn man regelmäßig trainiert. Ich erinnere mich noch so gut an meine ersten Schritte nach der Geburt unseres Jüngsten. Vor ziemlich genau drei Jahren habe ich das erste Mal wieder die Laufschuhe geschnürt. Wie unsicher war ich da: Darf ich das überhaupt? Ist es nicht schlecht für meinen Körper? Kann ich noch Laufen, nachdem ich vier Kinder auf natürlichem Weg geboren habe?

Heute sage ich: Wie gut, dass ich es gemacht habe und nur auf mich und meinen Körper gehört habe. Das war genau das Richtige. Nun stehe ich kurz vor meinem ersten Marathon. Ich bin bewegt und unendlich dankbar.

Die Aufregung steigt, die Freude auch

Der Frankfurt-Marathon rückt näher, 11 Tage noch, bis ich an der Startlinie stehe. Die Aufregung steigt, die Freude auch. Habe ich gut genug trainiert? Bis zu 70 Kilometer in der Woche haben Lotta und ich gemeinsam gemacht, fast 800 Kilometer sind wir in den vier Monaten zusammen gelaufen, also ziemlich genau 18 Marathons – wow, irgendwie eine beeindruckende Zahl. Und Lotta, unsere tolle Wäller-Hündin, war immer treu an meiner Seite, ist Tag für Tag wieder fröhlich mit mir losgezogen. Was für ein wunderbares Gefühl, ich bin echt dankbar. Am allerschönsten waren die Läufe, die wir zu Dritt unternommen haben: Lotta, mein Mann und ich.

Sigi mit Frankfurt-T-Shirt

Um mich mental auf Frankfurt einzustimmen, habe ich schonmal das passende T-Shirt angezogen

 

 

 

 

 

 

 

Schwer fiel es mir, auch an die ergänzenden Trainingselemente Laufkraft und Lauf-ABC zu denken. Das war mit Lotta schwierig zu bewerkstelligen und so habe ich es immer wieder vergessen. Zweiteres habe ich nur hin und wieder hinbekommen und dann meistens kurz. Die Übungen zur Laufkraft habe ich zumindest im zweiten Abschnitt des Marathon-Trainings recht regelmäßig nach dem Lauf noch auf einer Parkbank absolviert.

https://www.youtube.com/watch?v=tkOMJohKHe8&feature=youtu.be

Habe ich also insgesamt intensiv genug trainiert?

Es wird sich herausstellen. Jetzt ist es erst einmal wichtig, in den kommenden Tagen gesund und munter zu bleiben. Mal sehen, ob das mit einem Dreijährigen, der im Kindergarten täglich mit Millionen von Bakterien und Viren konfrontiert ist, möglich ist. Bis jetzt schaut es gut aus. Aber einmal, beim Einbecker Bierstadtlauf im Mai, habe ich es ja schon erlebt. Top trainiert und trotzdem am Wettkampftag mit Gliederschmerzen aufgewacht. Es bleibt also spannend!

Der letzte 30-Kilometer-Trainingslauf …

So, der letzte 30-Kilometer-Trainingslauf zur Vorbereitung auf den Frankfurt-Marathon ist geschafft: Gestern sind Lotta, mein Mann und ich gemeinsam durch die wunderschöne Region der Mecklenburgischen Seenplatte gelaufen. Und zwar: im Hellen. Der Sturz hat mich doch etwas nachdenklich zurückgelassen. Alles ist wieder heile, glücklicherweise nichts Schlimmeres als Schürfwunden und Prellungen. Aber, ehrlich gesagt, habe ich mich seitdem nicht wieder mit Stirnlampe im Dunkeln raus gewagt. Obwohl ich selbstverständlich auch im Hellen hätte stürzen können.

Gestern zum Beispiel musste man auf den ersten und den letzten fünf Kilometern schon sehr gut nach unten gucken, um nicht ins Stolpern zu geraten. Unebener, weicher Sandboden wechselte mit fiesem Kopfsteinpflaster ab. Das ging vor allem auf den letzten Kilometern echt an die Substanz. Am liebsten hätte ich das Handtuch geworfen. Und Lotta auch. Wir hingen beide total in den Seilen. Lotta hatte das Glück, dass sie nicht weg konnte. War ja an der Leine am Bauch meines Liebsten festgebunden. Aber ich hätte einfach stehenbleiben können. Wie gerne hätte ich mit Lotta getauscht und mich von Herrchen ziehen lassen! Einfach schön in die Leine reinhängen … Natürlich konnte ich mir diese Blöße nicht geben. Nein. Es ging ja noch.

Lotta und Sigi laufend

Vom Dorfhotel aus ging es Richtung Müritz und Waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

Puhh. Waren Lotta und ich froh, als wir es geschafft hatten! Erst mal trinken und durchschnaufen. Und dann: Oh nein! Beim Marathon sind es ja noch 12 dicke Kilometer mehr! Ob das was wird? Gestern hatte ich zum ersten Mal in der Vorbereitungszeit echte Zweifel daran. “Frankfurt hat viel bessere Böden und ist auch viel flacher. Da wird es einfacher”, beruhigte mich mein lieber Mann. Wie gerne glaube ich ihm das. Und wie froh bin ich, dass er mit mir läuft und ich das nicht alleine durchhalten muss!

Ansonsten: Ein absoluter Genusslauf. Direkt ab unserer Unterkunft im Dorfhotel Flesensee ging es in Richtung Müritz und der größten Stadt der Region, Waren. Bis dort hin sind wir nicht gekommen, sondern in Klink umgedreht und denselben Weg wieder zurückgelaufen. Leicht hügelige Landschaft, entlang an weiten Feldern, immer wieder durch Wald und vor allem: immer wieder mit schönem frischen Seewasser für Lotta. Lecker!

Lotta, Stephan und ich an der Müritz

In der Müritz konnte Lotta immer wieder lecker Seewasser trinken.