Des einen Freud’ ist des anderen Leid

Mein Marathon-Training zur Vorbereitung des Frankfurt-Marathons hat seinen Zenit erreicht. Mit fast 70 Laufkilometern war die vergangene Woche die intensivste insgesamt, die mein Dr.-Marquardt-Laufplan vorgesehen hat. Der Höhepunkt dieser Woche: 32 Kilometer standen heute auf dem Plan. Das erste Mal bin ich die gesamte Strecke gemeinsam mit Lotta gelaufen. Und zwar ohne meinen Mann. Vor zwei Wochen war ich auch allein unterwegs, hatte aber die große Strecke anders “organisiert”: erst 10 Kilometer mit Lotta, dann sechs ganz allein, dann neun mit meiner Laufgruppe und dann noch einmal sechs allein. Das hat super geklappt.

Ein bisschen Bammel hatte ich deswegen schon vor der langen Route, die ich ja noch dazu ganz langsam laufen soll, also echt lange dafür brauche. Wie genau wähle ich die Runde, damit Lotta häufig genug trinken kann? Was, wenn sie unterwegs schlapp macht und mitten im Wald nicht mehr weiter möchte? Beruhigend zu wissen war, dass mein Mann schon öfter solche Strecken mit ihr gelaufen ist und nie Probleme hatte.

Und so war es dann auch, zumindest fast. Lotta und ich mussten anfangs abwechselnd in die Büsche (sonst frühstücke ich ja nie vor den Morgenläufen, muss also auch keinen Kaffee rauslassen …), nach etwa zehn Kilometern war aber alles perfekt. Die Route führte durch den Wald, also kein Problem. Doch irgendwie endete der Weg kurz danach ungeplant an einer Straße, wir mussten am Straßenrand weiter. Natürlich bin ich den nächsten Feldweg wieder reingelaufen, an der Straße laufe ich wirklich nur im Ausnahmefall, ist mir zu gefährlich. Jipeeh, super, in der Ferne konnte ich meinen Orientierungspunkt, einen hohen Kaliberg, sehen und mich laufend daran orientieren.

Und plötzlich: Feldweg auch zu Ende, ging in einen nassen Grasbüschelackerweg über, der aber zu einem weiteren Feldweg zu führen schien. Weiterlaufen oder umdrehen, Lotta? Weiterlaufen, Frauchen, das Gras ist herrlich kühl! Freudig lief Lotta mit der Nase tief im Gras weiter. Ich konnte ihr richtig ansehen, wie sie die kühle Nässe genoss. Also gut. Des einen Freud’ ist des anderen Leid: Ich hoppelte von Grasbuckel zu Grasbuckel und versuchte, weder umzuknicken noch nasse Füße zu bekommen. Ersteres gelang, zweiteres nicht. Die Füße wurden nicht nur nass, sondern patschnass. Aber ich dachte an den Winter zurück: Waren da die Schuhe nicht täglich schon nach wenigen Metern patschnass gewesen? Also: nicht jammern, laufen. Nächster Feldweg erreicht, Hindernis überwunden, war da was?

Anschließend ging es wirklich reibungslos weiter bis wir müde wieder am Auto ankamen. Super, Lotta, dankeschön!

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