Archiv für den Monat: September 2018

Endlich mal das Fliegen lernen…

Schon öfter ist es anderen passiert, was habe ich schon für blöde Laufverletzungen gesehen! Blaurote, dick aufgeschürfte Knie und Ellenbogen, gerissene Bänder und Sehnen. Nicht schön. Richtig übel und schmerzhaft. Ich bin bisher glücklicherweise verschont geblieben. Aber heute war ich an der Reihe: Ich wollte wohl endlich mal das Fliegen lernen. Und zwar aus vollem Lauf heraus, Lotta, wie immer, mit Laufleine um den Bauch. Braucht ja auch Schub (oder Zug!), um richtig gut abzuheben! Logisch, oder?

Natürlich liefen wir im Dunkeln, waren mitten im Wald und an der Stelle, die vom Auto am weitesten entfernt war. Neblig war es noch dazu, also echt finster. Eigentlich gar keine so gute Zeit und gar kein so optimaler Platz für irgendwelche Extravaganzen. ABER, ich schrieb es bereits: Mit Stirnlampe auf dem Kopf ist alles kein Problem. Da kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit laufen. Eigentlich.

Doch heute war es echt kalt, ich lief das erste Mal mit einer dünnen Mütze und darauf saß die Stirnlampe nicht richtig. Sie rutschte immer wieder in die Stirn. Ich habe also dauernd daran herumgeschoben, auch unten im Wald. In diesem Moment war ich unaufmerksam und bin gestolpert. Über was, weiß ich nicht, ist ja auch egal. Jedenfalls habe ich in der Flugphase (hat sicher toll ausgesehen!) gemerkt, dass das jetzt nicht so super ausgehen wird. Da rumste ich auch schon auf den löchrigen Asphalt. Bumms. Autsch, das tat weh. Erst die Knie, dann die Hände, dann das Kinn. Puhh.

Und was habe ich für einen großartigen Hund? Lotta hat sofort angehalten, sich umgedreht und gesehen, dass ich auf dem Boden liege. Sofort war ihre Schnauze bei mir: He, Frauchen, alles klar mit Dir? Was ist los, kann ich Dir helfen? Geht schon, Lotta, einen Moment, ich brauch ne Sekunde. Dann stand ich wieder auf, Lotta hatte sich super brav hingesetzt und 1 A * gewartet. Wie wunderbar!

Ich schüttelte mich und machte den Funktionstest: Füße: ok. Knie: mehr oder weniger ok. Rest der Beine: auch ok. Linker Daumen: schmerzt ziemlich. Kinn: schmerzt richtig. Zähne: noch alle drin. Aber die braucht man eh nicht zum Laufen. Also: weiterlaufen, zurück zum Auto. Wie heißt es so schön: Wat mutt, dat mutt. Un is noch immer jut gegangen. Oder so ähnlich. Und es ging ja auch nicht anders. Musste ja zurück.

Laufend bemerkte ich, dass irgendwas den Hals runter rann. Oh. Blut. Taschentuch drauf. Nächstes Taschentuch drauf. Noch ein Taschentuch drauf. Gut, dass ich immer einige in der Tasche habe. Naja, ich bin angekommen. Und nach Hause gefahren. Und glücklicherweise scheint alles glimpflich ausgegangen zu sein. Kinn ist dick und blau und hat noch lange geblutet. Knie ist dick und blau. Nur um den Daumen mache ich mir ein wenig Sorgen. Aber vielleicht ist er nur gestaucht oder gezerrt. Hoffe ich.

Brauchen wir die wirklich jetzt schon?

Es hilft alles nix, gestern war es so weit: Ich hatte mir für den Morgenlauf die Stirnlampe bereitgelegt. Ich sehe einfach nicht mehr genug, um ohne zu laufen. Aber es hat schon ein wenig Überwindung gekostet. Noch vor dem Loslaufen habe ich mit Lotta diskutiert. Was meinst Du, Lotta, brauchen wir die wirklich jetzt schon? Der Sommer ist doch noch gar nicht vorbei … Keine Ahnung, Frauchen, ich seh eh nicht so gut. Auch im Hellen nicht. Musst also Du beurteilen. Ja, hast ja Recht Lotta. War ‘ne doofe Frage. wir nehmen die Stirnlampe. Punkt. Die Dunkelheit kommt unausweichlich und besser, wir stellen uns rechtzeitig auf sie ein.

Stirnlampe auf den Kopf geklemmt. Mensch, ist die schwer. War die im Frühjahr auch schon so schwer? Und sie sitzt auch nicht richtig, irgendwie zu locker, die verrutscht bestimmt beim Laufen … Ich zuppelte also eine ganze Weile dran rum bis ich das Gefühl hatte: Es kann losgehen. Dann erst liefen wir los. Und dann? Alles kein Problem. Die Lampe blieb da am Kopf, wo ich sie positioniert hatte. Sie spendete Licht, auch wenn es so gerade eben bis zur Dämmerung reichte. Da blinkte das rote Lämplein und signalisierte: Batterie gleich alle. Ach klar, hatte ich vergessen. Neue Batterien wären gut gewesen. Aber die hatte ich extra im Frühjahr nicht mehr gewechselt, um dies im Herbst zu tun. Bis dahin hatte ich es allerdings vergessen …

Heute früh mit frischen Batterien war schon alles wieder eingespielt: Stirnlampe auf den Kopf, Lotta an die Leine – und los geht’s! Eigentlich war das ein ganz befreiendes Gefühl: Ich kann wieder so früh los, wie ich es möchte und wie es für mich passt. Ich muss nicht erst auf die Dämmerung warten, die täglich später beginnt. Mit Stirnlampe ist alles kein Problem. Passt: Dunkle Jahreszeit, du kannst kommen!

https://www.youtube.com/watch?v=0xSfwJUWvDc&feature=youtu.be

Des einen Freud’ ist des anderen Leid

Mein Marathon-Training zur Vorbereitung des Frankfurt-Marathons hat seinen Zenit erreicht. Mit fast 70 Laufkilometern war die vergangene Woche die intensivste insgesamt, die mein Dr.-Marquardt-Laufplan vorgesehen hat. Der Höhepunkt dieser Woche: 32 Kilometer standen heute auf dem Plan. Das erste Mal bin ich die gesamte Strecke gemeinsam mit Lotta gelaufen. Und zwar ohne meinen Mann. Vor zwei Wochen war ich auch allein unterwegs, hatte aber die große Strecke anders “organisiert”: erst 10 Kilometer mit Lotta, dann sechs ganz allein, dann neun mit meiner Laufgruppe und dann noch einmal sechs allein. Das hat super geklappt.

Ein bisschen Bammel hatte ich deswegen schon vor der langen Route, die ich ja noch dazu ganz langsam laufen soll, also echt lange dafür brauche. Wie genau wähle ich die Runde, damit Lotta häufig genug trinken kann? Was, wenn sie unterwegs schlapp macht und mitten im Wald nicht mehr weiter möchte? Beruhigend zu wissen war, dass mein Mann schon öfter solche Strecken mit ihr gelaufen ist und nie Probleme hatte.

Und so war es dann auch, zumindest fast. Lotta und ich mussten anfangs abwechselnd in die Büsche (sonst frühstücke ich ja nie vor den Morgenläufen, muss also auch keinen Kaffee rauslassen …), nach etwa zehn Kilometern war aber alles perfekt. Die Route führte durch den Wald, also kein Problem. Doch irgendwie endete der Weg kurz danach ungeplant an einer Straße, wir mussten am Straßenrand weiter. Natürlich bin ich den nächsten Feldweg wieder reingelaufen, an der Straße laufe ich wirklich nur im Ausnahmefall, ist mir zu gefährlich. Jipeeh, super, in der Ferne konnte ich meinen Orientierungspunkt, einen hohen Kaliberg, sehen und mich laufend daran orientieren.

Und plötzlich: Feldweg auch zu Ende, ging in einen nassen Grasbüschelackerweg über, der aber zu einem weiteren Feldweg zu führen schien. Weiterlaufen oder umdrehen, Lotta? Weiterlaufen, Frauchen, das Gras ist herrlich kühl! Freudig lief Lotta mit der Nase tief im Gras weiter. Ich konnte ihr richtig ansehen, wie sie die kühle Nässe genoss. Also gut. Des einen Freud’ ist des anderen Leid: Ich hoppelte von Grasbuckel zu Grasbuckel und versuchte, weder umzuknicken noch nasse Füße zu bekommen. Ersteres gelang, zweiteres nicht. Die Füße wurden nicht nur nass, sondern patschnass. Aber ich dachte an den Winter zurück: Waren da die Schuhe nicht täglich schon nach wenigen Metern patschnass gewesen? Also: nicht jammern, laufen. Nächster Feldweg erreicht, Hindernis überwunden, war da was?

Anschließend ging es wirklich reibungslos weiter bis wir müde wieder am Auto ankamen. Super, Lotta, dankeschön!

Ach ja, die Dämmerung…

Von Tag zu Tag wird es dunkler beim Morgenlauf. Lotta und ich starten nun schon in der letzten Minute, die zeitlich morgens möglich ist, um noch ein paar Kilometer zusammenzubringen – und sehen trotzdem fast nichts, wenn wir loslaufen. Dann, ganz langsam, kriecht die Dämmerung am Horizont herauf. Ach ja, die Dämmerung… Sie macht mir das Läuferinnenleben im Moment ganz schön schwer.

Na klar, ich weiß doch, dass das die Zeit ist, die auch Rehe, Hirsche, Kaninchen und Co. ganz besonders schätzen. Am liebsten natürlich auf dem freien Feld, da, wo die leckersten Gräser wachsen. Aber können die sich nicht (nur, so lange wir unterwegs sind!) ein bisschen bedeckt halten? Lotta riecht ja nicht sooo gut, und sie sieht auch nicht perfekt. Stehen diese wundervollen Tiere aber mitten auf dem Feld oder sogar auf dem Weg, ist einfach nichts zu machen. Und da das derzeit öfter vorkommt, ist Lotta dauernd in Bereitschaft: Da geht doch was, Frauchen, da geht was! Und steht in der Leine. Vom ersten bis zum letzten Meter des Laufs.

Hey, das ist anstrengend! Und Spaß macht es auch nicht! Mehrfach habe ich Lotta in den vergangenen Tagen schon angedroht, sie nicht mehr mitzunehmen. Ich habe sie hingesetzt, ich habe geschnipst, ich habe gelockt. Ich habe sie angefaucht, ich habe sie sogar (mitten im Wald!) angeschrien. Erfolglos. Was hast Du eigentlich, Frauchen? Warum bistn Du so blöd drauf? Ich mach doch gar nix! Wenn Hunde sprechen könnten… Schließlich habe ich die Länge der Leine halbiert, um Lotta noch deutlichere Signale darüber geben zu können.

Lotta an der kurzen Leine

Verzweiflungstat: Im Moment muss Lotta an der ganz kurzen Leine laufen.

Die Folge: Wenn Lotta pinkeln muss, muss ich mit ins Gras. Oder ins Unterholz. Oder wohin auch immer sie pinkeln möchte. Aber heute konnte ich nach etwa fünf Kilometern eine Besserung feststellen. Die Leine gar nicht gespannt, Lotta im lockeren Lauf direkt neben mir. Ein Traum! Natürlich lobte ich Lotta sofort in den höchsten Tönen. Und dann? Direkt vor uns auf dem Weg: ein Waschbär. Sieht uns, guckt – und verschwindet. Lotta: Sieht ihn, guckt – und rennt. Oh Mann. Gut, dass ich Kraft habe. Mir blieb trotzdem nur eine Möglichkeit. Sofort umdrehen und in die andere Richtung weiterlaufen …

Lotta, lass es, der pikt Dich doch!

Lotta, das geht nicht gut. Der ist stachelig und pikst, Lotta, höre! HÖRE! Nichts zu machen. Frauchen, ich muss jetzt da hin. Ich MUSS! Hm, wirklich nichts zu machen. Laufleine auf maximale Länge gespannt, Lotta im “Vierradantrieb”, vorne ziehen zwei Beine, hinten schieben zwei Beine. Also gut, sagte ich. Dann probier’s doch. Wirst schon sehen, was Du davon hast…

Das Objekt Lottas Begierde war: ein kleiner Igel. Mitten auf dem Weg trippelte er mit seinen Mini-Füßchen niedlich vor sich hin. Ich dachte im dämmrigen Licht erst, es sei eine Amsel, die sich gleich in die Lüfte erheben würde. War es aber nicht. Lottas nicht allzu gut ausgeprägte Schnüffelnase hatte das im Gegensatz zu mir sofort erkannt und umgehend das Signal an Lottas Hirn gesandt: Hinlaufen. Mit allen Mitteln dafür sorgen, dass das klappt. Könnte die Futterration heute verdoppeln. 

So oder so ähnlich. Ich liebe Igel, sie sind so putzig. Auch wenn oder gerade weil sie bei drohender Gefahr alle Stachel aufstellen und nichts und niemanden an sich ranlassen. Da ich das wusste, habe ich Lottas Zug an der Laufleine nachgegeben. Ganz nach dem Motto: Wer nicht hören kann, muss dann wohl fühlen. Das kann man ja nur selten zulassen. In diesem Fall aber ging es. Mir war klar: dem Igel passiert nichts. Nur Lotta könnte sich eventuell einen Piks in die Nasenspitze abholen. Und das – ehrlich gesagt – fände ich gar nicht so schlecht. Vielleicht würde sie es sich ja fürs nächste Mal merken.

Als der Igel uns hörte, rollte er sich sofort ein und blieb wie versteinert mitten im Weg sitzen. So, wie ich es erwartet hatte. Wir näherten uns, Lottas Schnüffelnase gaaaaanz tief am Boden. Noch näher, noch näher, noch näher – und … piks? Nein, kein Piks! Ganz vorsichtig schnupperte unsere schlaue Hündin mit einem Mini-Abstand von vielleicht zwei Millimetern an dem kleinen stacheligen Etwas. In Sekundenschnelle hatte Lotta sich entschieden: Fehlalarm, ist nichts für mich und auch nichts zum Futtern. Bei noch näherem “Hinsehen” droht Schmerz. Sofort weiterlaufen!

Hm, okay. Mist. Doch nichts gelernt für die Zukunft, ging es mir durch den Kopf. Aber: Was habe ich da für einen schlauen Hund! Super gemacht, Lotta! Ich erinnere Dich bei gegebener Zeit daran. Und weiter gings mit dem Morgenlauf…