Archiv für den Monat: August 2018

Wo ist nur das Licht geblieben?

Oh weh, es ist soweit: Die helle Zeit neigt sich dem Ende entgegen. Als ich heute mit Lotta zum Morgenlauf aufbrach, war es noch fast dunkel. In den vergangenen Monaten war es zur gleichen Zeit immer schon taghell gewesen! Wo ist nur plötzlich das Licht geblieben?? Auch abends ist es nun nicht mehr so einfach, den richtigen Zeitpunkt für einen Lauf im Hellen zu erwischen …

Immerhin konnten wir heute noch ohne Stirnlampe los – aber in Gedanken habe ich diese schon wieder bereitgelegt. Und wo ist das Leuchtehalsband von Lotta? Wie fühlte sich das noch mal an, mit Jacke, Mütze und Handschuhen zu laufen? Hab ich ganz vergessen in diesem heißen Sommer, in dem es vor allem darum ging, möglichst wenig wärmende Kleidung am Leib zu haben. Hin und wieder wäre man am liebsten ganz ohne gelaufen. Heute: frostige 10 Grad Celsius zeigte das Thermometer. Und ich in kürzester Hose und knappstem Shirt …

Und doch liebe ich diese Übergangszeit, jeden Morgen ist es wieder spannend. Wird das Licht heute noch ausreichen? Wie fühlt es sich heute an, in den Wald hineinzulaufen? Vorhin stand er schon wie eine dunkle Wand vor uns und ich glaube, wenn ich Lotta nicht bei mir gehabt hätte, wäre ich lieber umgedreht und weiter durch die Felder gelaufen. Mit ihr zusammen: nichts wie hinein, die Strecke ist schön, das Knacken und Knistern der Bäume spannend!

Auf den Feldern kommt Lotta in diesen Tagen voll auf ihre Kosten. Feldhasen, Rehe, Hirsche, Kaninchen und Co. sind ja vor allem während der Dämmerungszeit unterwegs. Frauchen, riechst Du das nicht? Und schau doch, da! Ich MUSS da jetzt hin, JETZT! Lotta, hör auf zu ziehen! Nein! Doch! Nein! Doch! So geht es dann zwischen uns beiden hin und her. Puhh. Gut, dass die Laufleine hält …

Noch ein Vorteil dieser Jahreszeit: Wir können endlich, nach Wochen des Entzugs, wieder auf unserer Hausrunde laufen. Ohne Trinkpausen. Jetzt schafft Lotta die Strecken auch ohne Kanalwasser. Doch für den langen Lauf am Wochenende (32 Kilometer, die Maximaldistanz in der Vorbereitung auf den Frankfurt-Marathon) gehts wieder ans Wasser! und ich schultere meinen pinkfarbenen Trinkrucksack …

Also manchmal … echt!

Ehrlich. Lotta ist der tollste Hund, den ich mir vorstellen kann. Aber manchmal bin ich auch echt sauer auf sie. Zum Beispiel heute. Wie immer bin ich kurz nach fünf aufgestanden, um möglichst früh zum Morgenlauf aufzubrechen. Ich will ja schließlich auch rechtzeitig zurück sein, wenn mein Kleinster wach wird. Ich schleiche mich also auf Zehenspitzen ins Bad, mache mich leise und schnell fertig und schleiche dann die Treppe hinunter. Meine oberste Maxime: Bloß keinen Lärm machen, alle sollen weiterschlafen können!

Bevor ich runtergehe, öffne ich noch die Schlafzimmertüre einen Spalt breit. Lotta nämlich hat sich vor ein paar Monaten angewöhnt, eng unter unser Bett gepresst die Nacht zu verbringen. Gehen wir abends ins Bett, saust sie schon kurz vorher hoch und sichert sich ihren Lieblingsplatz. Naja, okay. Mit Müh und Not gelingt es ihr morgens, sich – unter Einsatz aller ihr nicht in übermäßigem Maße zur Verfügung stehenden Geschicklichkeit – aus der Enge herauszuschieben. Das rumpelt schon ordentlich. Dann schüttelt sie sich erst einmal und lässt einen kräftigen Nießer los. Hatschi! Anschließend donnert sie da, wo ich auf Samtpfoten katzengleich geschlichen bin, auf allen Vieren trampelnd die Treppe runter. Rumms, rumms, rumms.

Das sind Geräusche, an die sich wohl inzwischen jeder im Hause gewöhnt hat. Heute allerdings setzte Lotta noch richtig einen drauf. Die Zeitungsbotin kam verspätet um die Häuserecke. Lotta saß, hinter verschlossener Glastür, im Wohnzimmer und wartete darauf, dass es endlich losging. ich spurtete also der Botin entgegen, nahm ihr die Zeitung ab und sagte ein paar mehr Worte als Guten Morgen. Das hat Lotta im Wohnzimmer wohl gehört. Und was machte das Teufelstier?? Stimmte ein Riesengekläffe an. Ganz nach dem Motto: Mach, dass Du weg kommst, Frauchen ist meins und was ich immer schon sagen wollte…!

Mann! Das kann doch nicht wahr sein! Mit der Zeitung in der Hand flitzte ich ins Wohnzimmer und – man mag es gut finden oder nicht – die Zeitung sauste mit einem leichten Klapps auf die kläffende Fellnase herunter. Nein. Es. Ging. Nicht. Anders. Ich war nicht sauer, ich war stinksauer. Und das hat Lotta in diesem Moment sofort kapiert. Stille. Sie drehte auf dem Hinterteil und verzog sich mit hängenden Schultern und eingezogenem Schwanz hinter den Wäscheständer. Aber was denn, Frauchen, hab ich was falsch gemacht? Ja! Hast Du! Und wie!

Natürlich schimpfte ich noch den ganzen ersten Laufkilometer laut vor mich hin. Auch wenn ich weiß, dass Lotta selbstverständlich längst nicht mehr wusste, wieso und warum und fröhlich brav vor sich hin lief. GRRRMMMPFFF. Also manchmal … echt!

Packesel-Testlauf mit Wabbelwasser

Das Trink-Desaster von Sonntag hatte natürlich Folgen: Ich habe mich auf die Suche nach geeigneten Trink-Versorgungs-Utensilien für lange Läufe gemacht. Wie immer ist die Palette endlos breit und ich stand kurz vor Verzweiflung. Ich hasse es, im Internet zu shoppen. Kann es aber – wie inzwischen fast jedermann – nicht immer vermeiden. Zum Beispiel dann, wenn die Arbeitszeiten keinen Besuch meines Lieblingssportgeschäfts in der Innenstadt zulassen, ich aber etwas ziemlich schnell brauche. So wie jetzt. Am Samstag stehen 30 Kilometer an. Einmal rund ums Steinhuder Meer zusammen mit einem Lauffreund. Und es soll sonnig werden.

Also ran an den Computer und zwei Abendstunden lang gesucht und geforscht. Schließlich hatte ich sechs unterschiedliche Produkte in meinem Einkaufswagen liegen. Von irre teuer bis ganz billig. Entschieden habe ich mich dann für die Mitte und habe einen Trinkrucksack plus Trinkblase bestellt. In Pink. Damit ich ihn und jeder mich sofort erkennen kann. Und Lotta ihn notfalls auch mal tragen kann. Ist ja auch ne Frau und pink steht ihr.

Gestern Nachmittag kam das gute Stück an. Sehr solide verarbeitet und herrlich pink. Die Trinkblase neutral im Geruch. Wasser wird von oben eingefüllt, dann die Blase mit einem Schieber verschlossen. Hinlegen würde ich das Teil trotzdem erst einmal nicht. Auch wenn es wahrscheinlich dicht hält. Ich traue dem Braten nach dem sonntäglichen Erlebnis nicht.

Heute stand dann der morgendliche Testlauf an. Lotta musste geduldig im Auto warten, bis ich alle Träger und Bändel richtig festgezuppelt hatte. Saß nicht wie angegossen – aber okay. Um die Hüfte noch den Laufgurt für Lotta mit Leckerli und allem Pipapo. Derart ausgerüstet, fühlte ich mich, ehrlich gesagt, wie ein Packesel, nicht mehr wie eine Lauf-Elfe. Lotta bestätigte dieses Gefühl. Wollen wir heute weit, Frauchen? Du siehst so besonders aus, sagten mir ihre mitleidigen Blicke.

Sigi mit Lotta und Trinkrucksack

Den Testlauf machten Lotta und ich heute gemeinsam. Fühlte sich irgendwie packeselmäßig an …

Völlig unbelastet sauste sie los. Ich mit Wabbelwasser auf dem Rücken hinterher. Schwapp, schwapp, schwapp. Fühlte sich schon erst einmal komisch an. Ein entgegenkommender Jogger, absolute Seltenheit um diese Zeit an diesem Ort, musterte mich schon aus der Ferne, das spürte ich genau. ABER: der Rücken- und der Pobereich blieben trocken. Und zwar während des ganzen Laufs. Zwischendurch hielten wir an. Lotta sprang in den Kanal zum Morgentrunk, ich saugte verlegen an dem blauen Schlauch, der schon die ganze Zeit vor meiner Brust herumzappelte. Den muss ich noch kürzen, nahm ich mir vor. Aber das Wasser schmeckte. Gut durchgeschüttelt… Juhuu, auf nach Steinhude!

Ganz schöner Mist

Das war ein ganz schöner Mist gestern. Um sieben Uhr sind wir, Lotta, mein Mann und ich, zum langen Morgenlauf aufgebrochen. Ich trainiere ja für den Frankfurt-Marathon mit einem Trainingsplan von Marquardt-Running und da standen für gestern 25 langsame Kilometer an. 25 Kilometer. Langsam. Da reichen meine zwei 330 Milliliter fassenden ausgewaschenen Smoothie-Flaschen (für jede Hand eine!) einfach nicht mehr aus, um meinen Flüssigkeitsbedarf zu decken. Lotta kann ja jederzeit im Kanal trinken, aber ich?

Nimm doch meinen Trinkrucksack, bot mein Mann an. Er läuft die 25 Kilometer in meinem Tempo ja locker auf der linken Pobacke – also auch gerne mal ohne Flüssigkeit. Zwei Liter Flüssigkeit passen in seinen Rucksack in einer Trinkblase hinein, das sollte also für mich reichen. Angebot angenommen! Und flugs Wasser plus isotonischem Energie-Zauber-Pülverchen eingefüllt. Deckel zugeschraubt, ab ins Auto und los.

Die erste Schrecksekunde kam noch im Auto. Den Rucksack auf dem Schoß haltend, fühlte es sich plötzlich kühl und nass auf den Oberschenkeln an. Huch! Rucksack falsch gehalten, ach so. Kommt nicht wieder vor. Wir liefen also los. Mein Mann mit Lotta ein wenig vor mir. Nach ungefähr 500 Metern kurz (Lotta musste Pipi) hinter mir. Du, warte mal, das tropft, sagte mein Mann. Und fummelte an der Trinkblase herum. Müsste jetzt eigentlich dicht sein …

Weitere 300 Meter später fühlte ich es nass am Po. Klatschnass vielmehr. Wie in die Hose ge … Okay, da stimmt was nicht. Meine Blase ist in Ordnung. Die Trinkblase des Rucksacks wohl eher nicht. Rucksack runter und auf den Kopf gestellt. Tatsache. Mein wertvolles, energieerhaltendes Getränk ergoss sich auf den Weg. Im Schwall. Da fehlt wohl ein Dichtungsring am Verschluss, murmelte mein Liebster. Hast Du wirklich alles zusammengesetzt, was am Haken hing? Jaja, beteuerte ich. Es half alles nichts. Wir hielten kurz Rat. Umdrehen? Zurückfahren? Dann nochmal los? Oder gleich weiterlaufen?

Wir entschieden uns fürs Weiterlaufen. Ohne Getränk und dafür kürzer. Es wurden knapp 18 und keine 25 Kilometer. Weiter hätte ich es ohne zu trinken auch nicht geschafft. Glücklicherweise war das Wetter gnädig: unter 15 Grad Celsius und immer wieder Wölkchen vor der Sonne. Trotzdem mussten sich mein Mann und Lotta immer wieder anhören: Wie gerne würde ich jetzt auch aus dem Mittellandkanal trinken können. Ich habe Durst! Verständnislose Blicke des Hundes. Jaja, Frauchen, is ja gut. Was hindert Dich daran? Komm doch rein zu mir, hier ists so schön und lecker …

Blutroter Sonnenaufgang

Ein Morgenlauf ist einfach immer wieder beglückend, auch wenn man sich dafür (zu) früh aus dem Bett pellen muss. Was für ein fantastischer Sonnenaufgang heute! Blutrot und riesengroß stieg die Sonne an den Himmel. Lotta und ich einsam auf dem Feld. Guck mal, Lotta, ist das nicht toll?  Frauchen zerreißt’s fast beim Hinsehen vor Freude. Da musste sogar Lotta ihren Kopf kurz wenden. Natürlich hole ich für einen solchen Fall auch beim (Früh-) Morgenlauf am Kanal sofort mein Smartphone raus, um die besondere Kulisse auf die Platte zu bannen. Das Ergebnis:

Sonnenaufgang am Kanal

Auf dem Foto fast nicht sichtbar, aber trotzdem fantastisch gewesen: Der Sonnenaufgang heute am Kanal.

Naja, ist halt nur ein Smartphone. In echt war die Sonne wirklich ein riesiger roter Ball knapp über dem Horizont. Lotta nahm’s gelassen. Eigentlich war’s ihr natürlich völlig wurscht. Viel mehr interessierten sie heute die vielen kleinen Mäuschen am Wegesrand. Es raschelte einfach überall und – da ich wegen nächtlicher Halsschmerzen in sehr langsamen Tempo unterwegs war – Lotta brachte mehrfach ihren herrlich gekonnten Dreifachsprung zur Mäusejagd an. Trotz Leine. Da muss doch heute was zu holen sein, dachte sie sicherlich.

Gefangen hat sie: nix. Wie immer. Aber sie sah ob der gelungenen Versuche ähnlich beglückt aus wie ich mit Blick auf die Sonne. So hatten wieder einmal beide was vom Lauf!