Archiv für den Monat: Februar 2018

Malta-Bestzeit

Zieh, Lotta, zieh! Die Vorstellung, Lotta rechts vor mir zu haben und ihr diese Bitte laut zuzurufen, hat mich am vergangenen Sonntag über die letzten Kilometer getragen. Die letzten Kilometer des Halbmarathons auf Malta (www.maltamarathon.com). Es war heiß und bergig und ich konnte eigentlich nicht mehr so schnell laufen, wie ich es mir gewünscht hätte. Trotzdem wollte ich noch mit einer guten Zeit das Ziel erreichen. Ich stellte mir also vor, wie sich Lotta so richtig ins Geschirr legt, um mir den nötigen Speed zu geben.

Reihenweise blieben die anderen Läuferinnen und Läufer an den langen Steigungen “kleben”, gingen hinauf statt zu laufen, pfiffen “aus dem letzten Loch”. Immer wieder kam die Ambulanz mit lauter Sirene zum Einsatz. Da fiel mir wieder ein, was ich in einem der vielen Bücher, die ich schon übers Laufen gelesen habe, gelesen hatte. Viele Profisportler – und ich denke mal auch einige ambitionierte Hobbyläufer – arbeiten intensiv mit inneren Bildern. Sie prägen sich wieder und wieder ein, wie sie mit einem strahlenden Lächeln und zu einer ganz bestimmten Zeit ins Ziel einlaufen. Sie bereiten sich nicht nur körperlich, sondern auch mental ganz konkret und gezielt vor.

Okay, ich hatte mich nur körperlich vorbereitet und das auch nicht so gut, wie ich das im Sommer getan hätte. Eigentlich habe ich den ganzen Winter über nur sehr gutes Grundlagentraining absolviert. Aber warum sollte ich es jetzt nicht einfach mal ausprobieren, meine Gedanken auf Lotta zu fixieren und daraus neue Kraft zu schöpfen? Ich holte sie also gedanklich aus dem Hundehaus Hemmingen (dort macht sie Urlaub, wenn wir sie nicht mitnehmen können) und spannte sie vor meinem inneren Auge im wahrsten Sinne des Wortes vor meinen Karren. Sie blickte fröhlich zu mir zurück und signalisierte mir: Echt, Frauchen, endlich darf ich mal wirklich ziehen? Ja, zieh, Lotta, zieh!

Was soll ich sagen? Es hat funktioniert. Ich habe es wirklich geschafft, meine Bestzeit im Halbmarathon zu laufen! Zwar nicht um Stunden besser als beim letzten Mal, aber immerhin um eine ganze Minute. Mit sehenswertem Endspurt.

Und hier auch noch die wunderschönen Medaillen und die glücklichen Finisher.

Sigi und Stephan im Ziel

Sigi und Stephan haben auf Malta das Ziel des Halbmarathons erreicht.

Glückspilz

Was bin ich für ein Glückspilz! Das ging mir gestern durch den Kopf, als ich mit Lotta bei strahlendem Sonnenschein über unsere Hausstrecke sauste. Von morgens bis nachmittags hatte ich durchgearbeitet. Unser Kleinster besucht gerade Oma und Opa, Kindergartenabholen fiel also aus. Dann übermannte mich, nach einem Blick aus dem Bürofenster, der dringende Wunsch nach frischer Luft. Doch eigentlich lag noch viel zu viel Arbeit an.

Egal! Der Winter war zu grau und dunkel, um nun bei Sonne in stickigen Räumen zu herumzusitzen. Arbeit hin oder her. Also ab ins Auto, Laptop unterm Arm. Zuhause umziehen. Laufschuhe an. Hund an die Laufleine. Raus ins Vergnügen! Ja, Frauchen, los gehts, ich hab die ganze Zeit auf Dich gewartet!, spornte mich Lotta mit ihren Blicken an. Und legte sich mächtig ins Zeug, um mich ja zum Schwitzen zu bringen.

Als die Sonne unterging, kamen wir wieder Zuhause an. Duschen. Umziehen. Laptop aufklappen. Immer noch genug Zeit zum Arbeiten. Wundervoll.

Panischer Hund!

Lotta ist sehr sensibel. Das wissen wir eigentlich, seit wir sie als Welpe von der Züchterin übernommen haben. Von Beginn an hat sie sofort auf jegliche Veränderung reagiert, sie erkennt Schwingungen, lange bevor wir Menschen sie selbst wahrnehmen. Manchmal erkennen wir sie gar nicht und fragen uns nur leicht genervt: Warum, Hund? Was ist nu schon wieder los? Manchmal hat ihre Angst aber auch handfeste Ursachen.

Silvester zum Beispiel ist ein Graus. Es beginnt lange vor den Tagen, an denen offiziell geknallt werden darf. Sobald die ersten Böller hochgehen, ist unsere Lotta ein einziges Nervenbündel. Sie rast die Treppe hinauf (1. darf sie das nicht und 2. macht sie das sonst auch nie) und schiebt sich unter unser Bett bis in die hinterste Ecke. Dort verharrt sie so lange, bis aus ihrer Sicht die Gefahr vorüber ist. Das können auch gut mal mehrere Stunden sein. Jeglicher Versuch, sie aus dem Versteck zu locken, ist dann von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Leider hat sich wohl in unserer Nachbarschaft in diesem Jahr so mancher Mensch ein kleines Böllerdepot angelegt. Jedenfalls knallt es auch jetzt, Mitte Februar, noch regelmäßig. Mit den oben beschriebenen Folgen. Und weiteren: Beim Nachmittagslauf gerade holperte in der Ferne ein – vermutlich leerer – LKW über eine Schwelle und es klapperte laut. Oh panischer Hund! Da war fast kein Halten mehr! Wenn ich nicht so viel Übung im Umgang hätte – ich wäre die Strecke bis zum Auto geflogen. Ohren ganz nach hinten angelegt, hektische Blicke nach hinten. Komm schon, Frauchen, komm! Wir müssen hier weg, schnell! Nachdem ich sie wieder ein wenig beruhigt hatte, habe ich noch schnell das Handy rausgeholt und kurz gefilmt:

 

 

Flexibel bleiben!

Wer meinen Blog regelmäßig liest, weiß, wie sehr ich meinen Morgenlauf zu frühster Stunde mit Lotta liebe. Doch im Moment hindern uns zwei Dinge: 1. die Temperaturen zum Teil weit unter Null und das damit verbundene Glatteis an manchen Stellen. Das, ehrlich gesagt, ist mir nicht geheuer. Vor allem nicht im Dunkeln. Aber das schrieb ich in einem anderen Beitrag bereits und es ist, ehrlich gesagt, der unwichtigere Hinderungsgrund. Viel zentraler ist die Veränderung der allgemeinen Lebenssituation.

Es ist nämlich so, dass mein Mann und ich ja mit unserem Kleinsten vor knapp drei Jahren einen richtig echten Nachzügler in unserem Leben begrüßen durften. Als er auf die Welt kam, waren wir beide schon deutlich über 40 und unsere anderen drei Kinder steckten mitten in der Pubertät oder waren bereits fast erwachsen. Das hat in Bezug auf außerhäusliche Tätigkeiten, zu denen auch unser Laufen gehört, den wunderbaren Vorteil, dass man schon drei super vertraute und verlässliche Babysitter Zuhause hat! Wir konnten also in den vergangenen drei Jahren fast immer darauf bauen, dass eines der Geschwister Zeit für den kleinen Bruder hatte, wenn wir Laufen gehen wollten.

Das hat sich in den vergangenen Wochen plötzlich verändert: Unser Ältester ist – das war geplant und nicht unvorhergesehen – zum Studium in eine Stadt in Süddeutschland gezogen. Unser Mittlerer kann/will seinen Schulabschluss nicht, wie geplant, in Hannover machen und ist dafür vorübergehend ebenfalls in eine Stadt nach Süddeutschland umgezogen. Und unsere Tochter, die eigentlich als Bufdi noch bis Ende August in Hannover bleiben wollte, hat etwas Attraktiveres gefunden und macht nun ein dreimonatiges Praktikum in dem Ort am Solling, in dem auch mein Mann seit einigen Monaten arbeitet. Sie genießt nun ihre Freiheit in unserer Zweitwohnung… Und ist leider morgens – ebenso wie häufig mein Mann – nicht da.

Nun sind unser Kleinster und ich, fast von heut auf morgen, einen Großteil der Woche allein in Hannover. Und ich kann natürlich morgens nicht mit Lotta zum Morgenlauf los, wenn er noch schläft. Ich kann ihn ja nicht allein im Haus lassen. Ich kann auch nicht los, wenn er aufgestanden ist, denn dann müssen wir ja zum Kindergarten. Ich kann eigentlich auch dann nicht los, wenn er im Kindergarten ist. Ich muss ja zur Arbeit… Und unsere geliebte Lotta?

Ein paar Nächte lang habe ich mir den Kopf regelrecht verrenkt und hin- und herüberlegt, wie dieser Missstand zu lösen sein könnte. Was für ein riesiges Glück, dass ich selbstständig und nicht angestellt tätig bin! Ich habe kurzerhand meine Arbeitszeiten verändert. Ich stehe nach wie vor frühmorgens auf. Mache mir aber dann einen Kaffee und setze mich bis zum Frühstück mit dem Kleinen direkt an den Laptop. So früh wie möglich bringe ich ihn, selbst schon in Laufklamotten, in den Kindergarten und nehme Lotta im Auto bereits mit. Fahre mit ihr ein paar Minuten weiter an den Kanal. Wir genießen gemeinsam unseren Morgenlauf – und das im Hellen! Danach gehts nach Hause in die Dusche und los zur Arbeit. Meinen ersten Termin vereinbare ich erst frühestens um 10 Uhr und setze mich, wenn nötig, auch abends nochmal hin. So funktioniert es im Moment sehr gut. Bis zur nächsten Veränderung der allgemeinen Lebenssituation … Da heißt es: flexibel bleiben!

Irgendwo im Nirgendwo

Auch in Mecklenburg-Vorpommern lässt es sich gut laufen! Das habe ich auf einer kurzen Presserecherchereise mit unserem Kleinsten und Tochter am Wochenende festgestellt. Leider durfte Lotta nicht mit – und ich habe zum wiederholten Mal gemerkt, wie komisch es ist, ohne Hund zu laufen, wenn man eigentlich immer mit Hund am Bauch unterwegs ist. Lotta hat mir gefehlt, es wäre schön gewesen, sie an meiner Seite zu haben. Aber was nicht geht, geht halt nicht.

Das ist Sigi in Glaisin

Das ist Sigi in Glaisin

Viele Unterkünfte erlauben die Mitnahme eines Hundes nicht, obwohl sie eigentlich dafür optimal geeignet wären. Weil sie schlechte Erfahrungen mit Hunden und ihren Besitzern gemacht haben. So auch dieses – der wunderschöne Hof “middenmank” in der Nähe von Stadt und Schloss Ludwigslust. Die Ferienwohnungen sind robust eingerichtet und groß genug. Außerdem ist die ehemalige “Büdnerei” umgeben vom Nirgendwo – endlose Weiten für herrliche Läufe und Spaziergänge mit Hund.

Aber einige Hundehalter hätten sich in der Vergangenheit nicht so verhalten, wie es sich für einen Hof mit vielen kleinen Gästen gehören würde, erzählte mir der nette Inhaber Andy. Zudem hat man sich auf diesem Wege eine Hundeflohkolonie eingehandelt, die mühevoll und kostenintensiv aus den vielen Fugen und Ritzen des alten Gemäuers beseitigt werden musste. Auch nichts Schönes! Deswegen gilt seit einiger Zeit: Hundeverbot auf dem gesamten Gelände. Darüber sind vermutlich auch Frida und Anna, die beiden geduldigen Hausschafe, nicht undankbar …