Archiv für den Monat: Januar 2018

Frei, so frei!

Ich konnte Lotta heute Morgen die Freude geradezu ansehen: Als ich ihr die Plastikkrause, die sie zum Schutz ihres einen verletzten Auges tragen muss, vom Hals zog, schüttelte sie sich erst einmal nach Herzenslust. Frei, so frei! Dann ging es sofort nach draußen, damit sie gar nicht erst auf den Gedanken kommen könnte, sich zu kratzen. Alles hat wunderbar geklappt! Im Unterschied zu sonst habe ich sie aber noch ein paarmal mehr und etwas länger schnuppern lassen. Schließlich muss sie den Rest des Tages da ziemlich eingeschränkt, das ist wirklich blöd.

Aber was hilft’ s? Wat mutt, dat mutt, würde der Rheinländer sagen. Wichtig ist, dass das Auge bald wieder gesund ist oder zumindest nicht mehr juckt. Das kann aber noch dauern und bedarf einer dauerhaften Therapie mit Kortison, sagt unsere Tierärztin. Lotta hat, so hat sie diagnostiziert, eine Augenkrankheit, die eigentlich Schäferhunde bekommen: die Schäferhundkeratitis. Diese chronisch und in Schüben verlaufende Krankheit ist nicht heilbar, aber gut therapierbar. Hoffentlich bekommen wir das gut in den Griff! Hilfreich ist es wohl auch, wenn die Hunde draußen eine Sonnenbrille tragen … hierzu liefere ich dann, wenn es dazu kommt, aber ein Foto – versprochen!

Plastikkrause …

Oh je, die arme Lotta! Vor einigen Tagen kniff sie plötzlich ihr rechtes Auge zusammen und es sah auch geschwollen aus. Der Besuch bei unserer kompetenten Tierärztin (Frau Dr. Pox in Bemerode, www.docpox.de) erbrachte, dass sie eine Verletzung am Auge hat. Keiner weiß, wie sie sich diese zugezogen haben könnte! Vermutlich hat das Auge gejuckt und sie hat sich mit der eigenen Kralle beim Kratzen verletzt. Nun muss sie mehrmals täglich Augentropfen bekommen und – das Schlimmste – sie muss eine riesige, durchsichtige Plastikkrause um den Kopf tragen, damit sie sich am Auge nicht kratzen kann.

Oh je, oh je, das ist eine Tortur für sie! Überall stößt sie mit der Krause an, passt nicht in ihre Box im Wohnzimmer, kann nicht gut Fressen und Trinken. Draussen möchte sie gerne Schnüffeln, muss dafür aber stehenbleiben und den Kopf ganz gerade nach unten richten. Deswegen tut sie es nicht. Es ist wirklich kaum mit anzusehen!

Seit vier Tagen bin ich nicht mehr mit ihr gelaufen und musste allein meine Runden drehen. Das habe ich dann lieber im Hellen getan, ohne Lotta traue ich mich nicht in die dunkle Einsamkeit der frühen Morgenstunden. Da ich aber eh auf einer Kurzreise in Speyer war (eine wunderschöne Stadt ( www.speyer.de  ) mit tollen Hotels ( www.goldener-engel.de)) war das nicht so schlimm. Doch wie sollen wir beide die nächste Woche überstehen? Erst kommenden Montag darf die Krause voraussichtlich wieder ab!

Ich glaube, morgen Früh machen wir einen Test: Ich nehme ihr den Plastikeimer zum Laufen einfach ab. Sie läuft doch eh und hat gar keine Möglichkeit, sich am Auge zu kratzen. So bekommt sie trotz der Verletzung die Möglichkeit, sich zu bewegen und auch ein bisschen zu Schnüffeln. Sobald wir Zuhause sind, lege ich ihr die Krause wieder an. Blöd wäre es nur, wenn sie sich dagegen dann sträubt … Wir probieren es einfach aus!

Lammfromm

Ach, war das ein Hochgenuss heute! Lotta lief von der ersten bis zur letzten Minute lammfromm an meiner Seite, kein Zug auf der Leine. Mehrere Pipipausen haben wir zwar eingelegt, sind sonst aber ganz entspannt gelaufen. Dabei wollte ich eigentlich erst gar nicht los. Lotta läufig, im Dunkeln, und doch trotz der frühen Stunde immer mal wieder freilaufende Hunde (Rüden?!?) unterwegs. Das erschien mir doch irgendwie zu riskant. Wie soll ich im Dunkeln einen Rüden abwehren, der sich gierig und liebestrunken auf unsere Lotta stürzt? Das ist schon im Hellen so eine Sache.

Ich hatte das Erlebnis glücklicherweise noch nie, aber mein Mann musste Lotta schon mehrfach mit allen Mitteln und dem Einsatz seiner ganzen Kräfte gegen männliche Verfolger verteidigen. Von mehreren Seiten ist uns schon geraten worden, zum Spaziergang einfach zwei Leinen mitzunehmen. Eine für Lotta und eine, um einen potentiellen “Angreifer” dingfest und handlungsunfähig zu machen. Hin und wieder habe ich so eine zweite Leine schon dabei gehabt. Zum Einsatz musste ich sie noch nie bringen und meist vergesse ich sie auch.

Stattdessen bin ich während der Läufigkeit von Lotta immer laufend und laut rufend unterwegs. Das geht im Hellen, weil ich ja sehe, ob mir jemand mit Hund entgegen kommt. Im Dunkeln jedoch tauchen Hunde oft plötzlich auf. Natürlich unbeleuchtet und wirklich sehr häufig unangeleint. Ja – und was dann??

Trotz dieser Unsicherheit habe ich mich also heute mit Lotta im Dunkeln auf den Weg gemacht. Und war froh, dass wir mutterseelenallein auf der Strecke waren. Kein Fahrradfahrer, kein Jogger und vor allem: kein frei laufender, liebestoller Rüde. Puhh! Morgen “muss” mein Mann wieder mit – und bald haben wir die Läufigkeit dann auch wieder geschafft.

Rennen. Stopp. Rennen. Stopp …

Ganz ehrlich: Heute war der Morgenlauf grenzwertig. Heute war Durchhalten und Durchziehen angesagt. Nur drei Wörter zum Wetter, weil ich darüber ja nicht mehr schreiben wollte: 1 Grad, Schneeregen, Wind. Okay. Das ging ja noch. Es war nur an manchen Stellen vereist, wo noch Schneereste lagen und deswegen rein läuferisch absolut machbar. ABER: Lotta ist seit einigen Tagen läufig, sie steuert auf ihre Stehtage zu. Das ist in Kombination mit dem Wetter ein eher mäßiges Vergnügen. Denn sie will natürlich im Moment immer nur der Nase nach, sucht überall nach netten Bekanntschaften, mit denen sie ein Date abmachen könnte.

Sprich: Ich musste an gefühlt jedem Grashalm halten, um sie schnüffeln und markieren zu lassen. Auf unserer Hausstrecke stehen so einige … Und ich habe es wirklich versucht, sie zum Weiterlaufen zu überreden. Aber an diesen Tagen, glücklicherweise nur zwei Mal im Jahr, lässt Lotta halt absolut nicht mit sich reden. Halt, Frauchen, sofort stehenbleiben, jetzt! Wenn knapp 30 Kilo, die man sich um den Bauch geschlungen hat, aus vollem Lauf plötzlich den Vierradantrieb stoppen, ist das ein nachhaltiges Argument. Aua.

Und dann ist es nicht mit einem Mini-Stopp abgetan. Nein, es muss ausführlichst geschnüffelt und begutachtet werden. Wäre der was für mich? Oder doch lieber nicht? Der vorhin hat doch attraktiver gerochen. Der sieht bestimmt supersexy aus. Aber besser als nix vielleicht? Ich mach mal lieber hier auch eine Markierung. Und da noch eine. Ach, Frauchen steht im Dunkeln daneben und friert? Was interessiert’s mich? Ich muss doch dafür sorgen, dass mein Erbgut weitergetragen wird…

Naja. Zwischen den Stopps bin ich immerhin schnell gelaufen. Ich weiß ja immer, dass ich zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder Zuhause sein muss, weil dann meine große Tochter das Haus verlässt, um zur Arbeit zu gehen, und der Kleinste allein wäre. Das geht natürlich nicht. Der Morgenlauf sah deswegen heute so aus: Rennen. Stopp. Rennen. Stopp. Rennen. Stopp… Fazit: Besser als nix.

Kanallauf und ungeschriebene Regeln

Zwei Stunden am Sonntag nutzen mein Mann und ich häufig für einen langen Lauf am Kanal. Natürlich zusammen mit Lotta und (!) bei Tageslicht. Um unseren Kleinsten kümmert sich dann netterweise unsere große Tochter. Meist möchte er gerne mitkommen (“Doch, ich tann sonn weit laufen”), aber wir lehnen hartherzig ab. Klar, könnten wir ihn in seinem Jogger auch mitschieben. Doch er ist ein kleines Bröcklein mit ordentlich Kilos und das Schieben inzwischen ganz schön anstrengend. Außerdem befindet er sich in der Trotzphase und es ist nicht auszuschließen, dass er mitten im Lauf aus dem Wagen aussteigen möchte und ganz eigene Dinge im Kopf hat, die überhaupt nicht zum Laufen passen. Wir sind also immer froh, wenn wir ohne ihn gehen dürfen und können.

Lotta weiß schon, wenn sie ins Auto springen darf, wohin die Reise geht. Biegen wir dann Richtung Kanalparkplatz ab, quietscht sie vor Freude und ist kaum zu halten, wenn die Heckklappe aufgeht. Herrchen, Frauchen, wann gehts endlich los? Mit einem Supersprint starten wir in den gemütlichen langen Lauf … Echt, Ihr könnt das nicht durchhalten auf die weite Strecke? Warum???

Nach einigen hundert Metern wird sie ruhiger und wir finden unser gemeinsames Tempo.

Bei so schönem Sonnenschein wie gestern ist natürlich einiges los am Kanal. Radfahrer, Jogger, Spaziergänger mit und ohne Hunde mit und ohne Leine. Das hätte mir bis vor einiger Zeit noch Schweißperlen auf die Stirn getrieben. Inzwischen sind wir relativ gelassen unterwegs. Was aber nach wie vor nervt, sind ignorante andere Hundebesitzer. Lotta läuft bei uns – ich erwähnte es bereits mehrfach – immer an der Leine. Insbesondere beim Laufen. Wir finden das einfach sicherer, gerade wenn so viele Menschen und Tiere unterwegs sind. Außerdem möchten wir, dass sich Lotta auf den Lauf und nicht auf die Umgebung konzentriert.

In unserer großartigen Hundeschule (www.learning-by-dog.de) haben wir gelernt, dass es üblich ist, seinen Hund ebenfalls an die Leine zu nehmen, wenn ein angeleinter Hund vorbei möchte. Es sei denn, man hat seinen Hund so gut im Griff, dass er sich nicht auf den angeleinten Hund zubewegt. Diese ungeschriebene Regel scheinen die meisten anderen Hundebesitzer nicht zu kennen. So haben wir immer wieder das Problem, dass freilaufende Hunde auf uns zustürmen. Freundlich oder nicht so freundlich.

Wir haben dann nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir lassen Lotta auch los oder wir riskieren eine Auseinandersetzung. Weil Lotta angeleint bleibt und deswegen nicht so agieren kann, wie sie möchte. Meist leinen wir sie ab, laufen vorbei und rufen Lotta dann zu uns, um sie wieder anzuleinen. Da Lotta glücklicherweise sehr gut hört, ist das die unproblematischste Variante. Eigentlich aber wäre es schöner, einfach mit Lotta an der Leine vorbeilaufen zu können. Gerade wenn man konzentriert läuft und seinen Rhythmus nicht unterbrechen möchte. Manchmal habe ich schon versucht, den Herannahenden ein “Bitte anleinen!” entgegenzurufen. Doch das habe ich aufgegeben. Die Kommentare, die ich dafür geerntet habe, waren mir einfach zu unfreundlich. Dann leine ich doch lieber ab und unterbreche meinen eigenen Rhythmus.

Glatteis

Wann Lotta nicht so gerne läuft, habe ich bereits geschrieben. Ich bin eigentlich auch fast immer motiviert, den sogenannten “Inneren Schweinehund” kenne ich nicht. Dazu macht mir das Laufen viel zu großen Spaß und ich fühle mich viel zu wohl dabei. Eine kleine Einschränkung habe ich, wenn die Sonne zu gnadenlos vom Himmel brennt und die Temperaturen deutlich über 20 Grad Celsius steigen (Okay, Lotta, dann laufen wir lieber doch heute Abend und und langsam und ich nehme meine Trinkflasche mit). Ein absolutes Ausschlusskriterium, einen Fuß laufend vor die Tür zu setzen, ist für mich aber eines: Glatteis. So wie heute Morgen. Nur, dass ich es erst nicht gemerkt habe und dann schon unterwegs war.

Das Thermometer zeigte hübsche 3 Grad plus an, beste Lauftemperatur und wir flitzten wie üblich los. Doch schon nach ein paar Metern dachte ich: Komisch, irgendwie glitschig – und lief trotzdem weiter. Ist doch deutlich über Null! Die ersten Eisplatten kamen mir nach ungefähr einem Kilometer unter die Füße, da, wo der Wind besonders über die Wege pfeift. Huiuiui, dachte ich. Mist. Vielleicht doch lieber umdrehen? Zumal mir Lotta nicht nur motiviert, sondern deutlich übermotiviert mit einigem Zug an der Leine vorauslief, irgendein leckerer Geruch schien ihr in die Spürnase gestiegen zu sein. Was, wenn ich ins Rutschen gerate?

Ich entschied mich fürs Weiterlaufen und wählte dafür den grünen Randstreifen neben dem Weg. Was für ein Geeiere in dem zerfurcht gefrorenen Grün! Auch Lotta schaute sich hilfesuchend nach mir um. Echt, Frauchen, muss das sein, im Grünstreifen? Man muss wissen: Lotta ist eine feine Hundedame und läuft lieber auf befestigten Wegen. Läuft doch gut auf dem Kopfsteinpflaster, Frauchen! Na, Du hast gut Lachen, dachte ich. Aber Du bist ja auch auf vier Pfoten und nicht auf zwei Beinen unterwegs. Glücklicherweise hält unsere Hausstrecke mehrere Varianten bereit und ich konnte bald auf einen Schotterweg abbiegen und den größten Teil des Laufs auch auf diesem bleiben. Hm. Und morgen? Mal abwarten, was das Thermometer anzeigt. Vielleicht laufen wir morgen doch lieber im Hellen. Ist sicherer.

Kein Weltrekord

Selten, sehr selten, ist Lotta beim Laufen nicht so motiviert. Zum Beispiel, wenn es schüttet (Wir laufen trotzdem, Lotta!). Oder wenn die Sonne zu sehr vom Himmel sticht (Okay, lass uns bis heute Abend warten und dann mehrere Trinkpausen am Kanal machen!). Meist ist sie eher übermotiviert. Heute zum Beispiel. Sie rannte schon vor der Haustür los, als müssten wir einen Weltrekord aufstellen. Nein, müssen wir nicht, Hund!, rief ich ihr leise – die Nachbarn schliefen ja noch – hinterher und versuchte, Schritt zu halten. Ich bin dann froh, dass ich unsere stabile Laufleine habe. Das ist ein ganz einfaches Modell (Europet Bernina Joggingleine, knapp 7 Euro), aber für unsere Lotta ideal.

Etwas genauer zeigen es diese Videos:

Die meisten Joggingleinen nämlich sind superflexibel und lassen sich auf einen gefühlt endlosen Abstand zwischen Läufer und Hund dehnen (bis 2,40 Meter, um Himmels Willen!). Nix für uns, wir haben es getestet und die teure Qualitätsleine ganz schnell in den Tiefen unsere Hundematerialkorbs versenkt. Und nie wieder hervorgekramt. Wir brauchen etwas Handfestes, was sich zwar ein bisschen dehnt, aber trotzdem eine enge Kontrolle des Hundes zulässt. Die erreiche ich, indem ich Lotta die Leine, die mit einem stabilen Karabiner an ihrem Geschirr festgehakt ist und eine maximale Länge von 1,50 Metern erreichen kann, zusätzlich einmal vor dem Hals entlangführe. Zieht sie zu sehr, wird ihr der Druck am Hals unangenehm. Sie läuft also langsamer und passt sich meinem Tempo besser an.

Ich selbst habe die Leine mit dem gut gepolsterten Teil um die Hüfte und kann, wenn ich in bestimmten Situationen Lotta noch besser kontrollieren möchte, mit der rechten Hand zusätzlich eingreifen. Das mache ich zum Beispiel, wenn wir einen anderen Jogger überholen (ja, auch das kommt vor!) oder ein Radfahrer vorbeikommt (okay, das kommt noch öfter vor!).

Natürlich läuft Lotta lieber an langer Leine – welcher Hund täte das nicht?! Darf sie auch. Wenn sie vernünftig läuft. Sonst bleibt sie an kurzer Leine, denn auch das kann sie ja kontrollieren. Unangenehm ist es nur, wenn sie meint, direkt vor mir laufen zu müssen und nicht seitlich von mir. Dann trete ich ihr in die Hacken und gerate auch selbst aus dem Rhythmus. Der folgende Dialog ist üblich: Was denn Frauchen, hier lauf doch ich, halt Dich mal fern!, sagt sie mir mit einem kurzen irritierten Blick zurück. Schieb Deinen Hintern sofort wieder nach rechts, werfen meine scharfen Blicke ihr zu und natürlich unterstreiche ich das mit vielen überdeutlichen Worten. Ach so, Frauchen. Echt, nervt das? Klar, Du starrköpfiges Hundetier! Zieh rüber, los! Echt jetzt? Ja! Ach nö, da ist ne Pfütze, da kannst Du gerne reinlaufen, ich hab lieber trockene Pfoten …