Wo bleibt das Licht?

Irgendwann im Januar ereilt es mich immer: Ich habe die Dunkelheit satt. Und zwar so richtig. Wo bleibt das Licht? Ich möchte endlich wieder mehr Tageslicht sehen! Vor allem morgens, denn da laufe ich ja meist. Besonders, wenn die Weihnachtsferien vorbei sind, ist die Umstellung auf dunkle Morgenläufe wieder hart. Schließlich konnte man in den Ferien ja irgendwann am Tag laufen – also natürlich in der Regel dann, wenn es hell war oder zumindest während des Laufs hell wurde. Während der Schulzeit im Alltag geht das in der Regel nicht.

Mit dem ersten Schultag im Jahr ist das schöne Läuferleben im Hellen also wieder schlagartig vorbei. Zwar arbeitet sich rein rechnerisch das Tageslicht ja schon seit mehr als zwei Wochen von Tag zu Tag je ein oder zwei Minütchen vor – aber das merkt man erst einmal nur am Nachmittag. Morgens bleibt es einfach finster. Und ist es seit gefühlten Ewigkeiten. “Blöder dunkler, grauer Winter”, murre ich dann schon mal gerne. Obwohl ich den Winter und das Laufen bei kalten Temperaturen eigentlich wirklich besonders liebe.

Dieses Bild zeigt die Dunkelheit
Eine gute Stirnlampe hilft, die Dunkelheit zu mildern.

Einen Winter lang bin ich im Dunkeln gar nicht gelaufen. Nicht, weil ich keine Lust hatte auf die Dunkelheit, sondern weil ich im Winter davor so richtig auf die Nase gefallen bin. Und zwar am dunkelsten Punkt meiner damaligen Hausrunde, irgendwo im Wald. Rutschende Stirnlampe, unkonzentriert – und patsch! Blutiges Kinn, blaue Knie und auch im Nachhinein ein bisschen Panik mit blödsinnigen Gedanken: Was hätte alles passieren können?

Deswegen habe ich mir in diesem Winter eine neue Stirnlampe gekauft. Die hat, anders als die alte, vorne an der Stirn das Licht und hinten den Akku. Sitzt bombenfest, man braucht also nicht während des Laufs daran rumzuppeln. Lotta hat ein kleines, aber stark leuchtendes Lämpchen bekommen, das an ihrem Laufgeschirr befestigt ist. So sind wir seit ein paar Wochen gut sichtbar und sicher in der Dunkelheit unterwegs. Das macht das Laufen in der Dunkelheit wenigstens erträglich. Und, da bin ich ganz sicher, das Licht kommt wieder! Minütchen für Minütchen, jeden Tag ein bisschen mehr …

Laufen für die Crowd

Immer mal wieder was Neues ausprobieren – das macht mir riesigen Spaß. Mit Lotta an der Seite noch mehr. In den vergangenen zwei Wochen haben Lotta und ich deswegen unseren ersten “virtual run” gemacht. Ja, was ist das? 15 Tage lang ging es darum, möglichst viele Kilometer zu laufen, zu schwimmen oder zu radeln. Wir sind natürlich gelaufen, klar. Radfahren mit Lotta … heieiei … das ist ein anderes Thema. Und schwimmen? Geht natürlich gar nicht mit unserer wasserscheuen Prinzessin.

Bevor wir losgelegt haben, haben wir bei Crowdlauf eine Medaille gekauft. Damit haben wir sozusagen die Starterlaubnis erworben. Gleichzeitig ging ein Teil dieses Geldes in den Spendentopf. Mit der schönen Medaille zusammen bekamen wir, liebevoll verpackt, eine Startnummer zugesandt. Der Lauf hatte das Motto “everybody is perfect”, jeder ist großartig, genau so wie er ist! Mit all seinen Ecken und Kanten, Macken und Besonderheiten.

Die Medaillen sind besonders aufwändig und schön.

Vom 1. bis 15. Dezember durften wir dann Laufen – so oft, so lang und so schnell wie wir wollten. Jeden Lauf mussten wir online in ein Formular bei Crowdlauf eintragen und zusätzlich ein Foto von uns, den Kilometern und der Startnummer in sozialen Netzwerken postet. Wir haben das bei Instagram und Facebook getan. Auf diese Weise hat die gesamte Crowd zusammen Punkte gesammelt. Unser gemeinsames Ziel war es, so viele Punkte zu er”sporteln”, wie wir benötigten, um den ganzen ausgelobten Spendentopf (30 Prozent des Jahresgewinns von Crowdlauf) dem Verein Lebenshilfe e.V. zukommen zu lassen.

Für jeden einzelnen Sportler, der mitmachte, war das ein großer Ansporn – das hat man an den vielen begeisterten Posts deutlich gemerkt. Und auch ich, die ich ja damit angebe, beim Laufen keinen inneren Schweinehund zu kennen, hab auf meine fast tägliche Runde immer noch ein Schippchen draufgelegt. Komm Lotta, eine Erweiterung machen wir noch! Oder sogar die längere? Lotta macht eh alles mit und auch beim Foto hat sie stets brav posiert, die Gute!

Lotta hat bei jedem Wetter immer brav fürs Foto posiert…

So kamen wir in 15 Tagen auf fast 90 gemeinsam gelaufene Kilometer – das ist deutlich über unserem wöchentlichen Winterziel von 30 Kilometern. Ich bin stolz auf uns, äußerst zufrieden mit dem Ergebnis der Crowd (30 Prozent des Jahresgewinns gehen an die Lebenshilfe!) und freue mich schon auf den nächsten virtual run, bei dem wir mitmachen können!

Alles Yoga, oder was?!

Was, bitte, soll das denn schon wieder? Was hast Du jetzt denn vor? Hier lieg doch ICH! Ab, Lotta, mein Platz! Eine eindeutige Handbewegung von mir genügte, um die Matte frei zu machen. Dort nämlich hatte Lotta sich nach unserem Morgenlauf schön gemütlich drauf platziert. Ist ja auch mollig warm von unten, klar! Beim Lauf in der Dunkelheit hatte es geregnet, wir sind beide durch und durch nass geworden. Also verständlich. Trotzdem wollte ich heute die Beine noch ein bisschen auf der Black Roll ausrollen – Verletzungsprophylaxe! Lotta hat das ja nicht nötig – ich schon. Kleinste Zipperlein werden auf diese Weise effektiv weggerollt, lange bevor sie groß und schmerzhaft werden. Ist also gut und geht auch schnell.

Lotta auf der Matte
Lotta liegt auf der Matte

Alle anderen Arten des Alternativtrainings oder des zusätzlichen Trainings behandle ich leider eher stiefmütterlich. Ich würde ja gerne, aber mir fehlt die Zeit. Sag ich zumindest. Fakt ist wahrscheinlich aber auch, dass der innere Schweinehund, den ich beim Laufen echt nicht kenne, diesbezüglich zu groß ist. Abends im Winter zum Beispiel: Sobald es draußen dunkel ist, wird es für mich innerlich kuschelig. Dann will ich nicht nochmal raus in die Kälte und irgendwo hinfahren oder hingehen, ins Fitnessstudio zum Beispiel. Da möchte ich viel lieber lecker essen, mit dem Kleinsten lesen und kuscheln und selbst auch möglichst früh ins Bett gehen.

Allerdings merke ich, dass die gesamte Beweglichkeit des Körpers mit dem Älterwerden nicht gerade besser wird. Trotz des vielen Laufens. Lange versuche ich deswegen schon, Yoga zuhause in meinen Alltag zu integrieren. Mit mäßigem Erfolg. Es kommt zu oft was dazwischen, außerdem fehlt die kompetente Anleitung. Jetzt, nachdem ich ein langes Auszeit-Wochenende (von Laufen.de top organisiert!) zum Thema Laufen und Yoga mitgemacht und sehr genossen habe, starte ich einen neuen Anlauf. Ein Yoga-Studio ganz in der Nähe ist gefunden, das Angebot ist breit und vielfältig. Das Gute: Es gibt auch Vormittagskurse und man kann alle Kurse ganz flexibel besuchen. Ich bin angemeldet und sehr gespannt!

Rumgeeiere!

Puhh. Die vergangenen Wochen waren ein ganz schönes “Rumgeeiere”. Eine fiese Halsentzündung hatte mich erwischt, Fieber kam hinzu, tagelang. Selbstverständlich war an Laufen auch nicht ansatzweise zu denken. Fieber schaltet mich einfach komplett aus. Mein Start beim Hiddestorfer Rübenlauf – dahin!

Schwierig wurde es, sobald ich wieder raus konnte aus dem Bett. Dann nämlich werde ich wirklich kribbelig und möchte los. Dieses Mal ganz besonders, denn ich wusste: Vor mir liegen noch der Halbmarathon beim Dreiländermarathon am Bodensee und der Start für eine Staffel für einen guten Zweck beim Münchenmarathon. Sobald die Halsschmerzen mehr oder weniger verschwunden waren, schnappte ich mir Lotta – und los ging es! Langsam und nur kurze Strecken, aber wenigstens ein bisschen Laufen… Wie schön!

Das fühlte sich erst einmal gut an. Nach drei Tagen aber meldeten sich die Halsschmerzen zurück, ohne Fieber. Also wieder: Laufpause. Erst am Tag vor dem Dreiländermarathon schnürte ich wieder die Laufschuhe, die Halsschmerzen waren weg. So konnte ich in Lindau an den Start gehen – ein wunderbares Erlebnis. Allerdings merkte ich während des Laufs, dass ich nicht ganz fit war. Das Tempo stimmte nicht, die Kräfte fehlten, es war ein echter Kampf, die Strecke bis zum Ende zu laufen. Immer wieder der Gedanke: Wäre Aufhören nicht doch besser? Und vor allem gesünder? Ich habe durchgezogen.

Medaille Bodensee
Sigi mit Medaille

Was nun? Beine hochlegen bis zum Münchenmarathon eine Woche später. Totale Regeneration. Hat geklappt, alles fühlte sich wieder bestens an. Doch dann: 25 Grad und pralle Sonne in München am Marathontag. Mein Start als Letzte der Staffel, 15.3 Kilometer über Asphalt waren zu bewältigen. Ich weiß einfach: Ich bin keine Hitzeläuferin. Temperaturen jenseits der 18-Grad-Marke belasten mein Herz-Kreislaufsystem unglaublich. Zusätzlich musste ich stundenlang warten, bis die anderen Staffelläufer ihre Strecken hinter sich gebracht hatten. Aber ich wusste: die Staffel kann nicht starten, wenn ich nicht starte.

Noch einmal habe ich die Zähne zusammengebissen und irgendwie bin ich ins Ziel gekommen. Das war, gemeinsam mit den anderen Läufern, ein wirklich erhebendes Gefühl – wenngleich bei mir mit einem leicht mulmigen “Untergefühl”. Und es kam, wie es – wahrscheinlich – kommen musste. Drei Tage danach hatte ich wieder Fieber, diesmal mit heftigem Schnupfen. Wieder Bett, wieder tagelange Laufpause.

Tsja. Was nehme ich nun aus dieser Erfahrung mit? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht wirklich. Ich glaube, ich habe mich relativ vernünftig verhalten. Vielleicht plane ich aber für das kommende Jahr nur einen Wettkampf im Herbst, nicht drei in Folge. Das war dann wohl doch zu viel. Auch, wenn es so viel Spaß macht und so so schön ist…

Und wie das schmeckt!

Lotta liebt Obst. Während des Laufens versucht sie alles aufzusammeln, was sie irgendwie erreicht: Mirabellen, Kirschen, Zwetschgen, Äpfel, Birnen … Je nach Jahreszeit. Am liebsten mag sie es, wenn die guten Stücke schon leicht vergammelt sind und auf dem Boden kleben. Dann macht sie einen spontanen Stopp, Vollbremsung auf vier Pfoten und sofort rein damit – das kann manchmal am Bauch beim mir ein wenig schmerzen, schließlich werde ich auch zur Vollbremsung gezwungen… Aber meistens sehe ich die Bäume ja schon vorher und weiß, was auf mich zukommt. Dann laufe ich entweder große Bögen drumherum oder bereite mich innerlich auf den kommenden Stopp vor. Bauchmuskeln anspannen!

Ein von uns beiden geliebtes Ritual ist aber die Zubereitung meines Müslis irgendwann im Laufe des Tages. Je nachdem, wann es passt. Das zelebrieren wir richtig. Sobald ich die Müslischüssel hole, steht Lotta schon parat. Jeden Handgriff verfolgt sie mit aufmerksamsten Augen – und weiß ganz genau: gleich krieg ich was! Ich schneide das Obst in Stücke … Und natürlich bekommt sie etwas davon ab! Nebenbei: auch Gemüse verschmäht sie keineswegs. Am Schluss kommt noch Joghurt drüber – und wer darf den Becker ausschlecken? Na klar, Lotta!

Lotta bekommt Banane
Müsli ist so lecker! Vor allem mit Obst. Und Lotta bekommt natürlich was davon ab.

Ob das für sie ebenso gesund ist wie für uns Menschen, weiß ich eigentlich nicht. Fest steht: Von Obst muss sie pupsen. Und wie das stinkt! Nicht schön, wenn man abends zusammen auf dem Sofa kuschelt… Vermutlich ist Fleisch doch die für sie gesündere Variante. Aber ergänzend? Ich muss mich damit mal intensiver beschäftigen und das ausführlich recherchieren. Wird aufgeschrieben, versprochen!

Weniger ist manchmal mehr

Heute sind Lotta und ich nicht die geplanten 14 Kilometer (Laufplan für den Hiddestorfer Rübenlauf!) gelaufen, sondern nur weniger als die Hälfte. Denn: Weniger ist manchmal mehr. Ich hatte in den vergangenen zwei Tagen mit leichten Halsschmerzen und einem undefinierten Schmerz im Rücken zu tun und Lotta wurde gestern geimpft. Also: Laufpensum runterfahren, Ausruhzeiten erhöhen! Spaß hat es trotzdem gemacht, sowohl die Halsschmerzen als auch der Schmerz im Rücken sind fast weg :-). Der Morgenlauf tut einfach immer unendlich gut!

Sigi und Lotta
Sigi und Lotta beim Morgenlauf – ein Genuss!

Auch zu meinem Blog passt das Motto im Moment gut. Seit unserem Umzug von Hannover nach Einbeck habe ich einfach zu wenig Zeit für das “schöne” Freizeitschreiben gehabt. Deswegen habe ich mich vor allem auf Bilder und kurze Posts bei Instagram beschränkt – es ging einfach nicht mehr neben Arbeit, Familie und Haus. Jetzt, ein gutes Dreivierteljahr später, pendelt sich alles langsam ein. Wir haben einen funktionierenden Alltag, die Sanierung des Hauses ist für dieses Jahr fast abgeschlossen, die Arbeit läuft wieder entspannter. Es ist wieder Luft, sich um andere Dinge zu kümmern.

Momentan stecken Lotta und ich mitten in der Vorbereitung für unseren Lieblingslauf in Hiddestorf. Der Halbmarathon soll es werden und mit der #runningchallenge von Marquardtrunning bereiten wir uns darauf vor, Bestzeit zu laufen. Naja. Mal sehen. Gerade vor zwei Tagen habe ich im Workshop gelernt, dass ich eigentlich nicht schnell laufen kann – weil ich nicht langsam laufen kann. “Wer nicht langsam laufen kann, kann auch nicht schnell laufen”, so der Lauf-Doc. Frustrierend. Denn ich schaffe alle im Laufplan vorgesehenen Laufeinheiten mühelos – nur die langsamen nicht. Dann nämlich komme ich mir vor wie eine lustlos dahinkriechende Schnecke, und lege automatisch einen Zahn zu. Es ist einfach nicht zu machen!

Einen nächsten Versuch starte ich am Wochenende: Dann gewinnt derjenige, der Laufdistanz und Durchschnittspace auf die Sekunde genau trifft, eine Dose Cola. Das ist doch ein Ansporn, oder? Also: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Run slow – but run!

Müde Beine tragen schwer …

Heute war einer dieser Tage, die ich glücklicherweise selten habe: Die Beine waren so schwer und müde, dass ich das Gefühl hatte, eigentlich gar nicht vom Fleck zu kommen. Über jeden kurzen Stopp von Lotta (Piseln, Haufen machen, Schnuppern, Schnuppern, Schnuppern, Piseln, Gras fressen, wieder schnuppern …) war ich dankbar. Was Lotta, Du bist schon fertig? Ja, Frauchen, weiter gehts! Warte, Lotta, Frauchen muss sich noch die Nase putzen … Okay, fertig. Eine Frage, Lotta: Trägst Du mich? Ach nee, Frauchen, das musst Du schon selbst machen … Heieiei. Irgendwie haben wir es trotzdem geschafft, die 8 Kilometer, die ich mir vorgenommen hatte, zu schaffen. Die Strecke kam mir länger vor als der Marathon letztes Jahr!

Lotta, trägst Du mich? Ach nein, Frauchen, lass mal. Das musst Du schon selbst schaffen …

Warum ich so schwere Beine hatte, kann ich mir gar nicht erklären. Vielleicht, weil Lotta und ich gestern so den Berg hochgespurtet sind? Wir hatten nur kurz Zeit und ich wollte, dass Lotta sich ein bisschen auspowert. Ich wusste, dass sie tagsüber ziemlich oft im Auto in der Box sitzen würde. Beim Bergsprint habe ich mich selbst wohl auch ein bisschen übernommen. Dazu kommt sicherlich, dass ich den ganzen Tag über dann nichts Vernünftiges gegessen habe. Üblicherweise trinke ich nach dem Lauf auch ein “Pülverchen” (Name wird nicht verraten, das wäre ja Werbung!), aber selbst dafür hatte es gestern nicht gereicht. Ich schlug mich also mit Brezel, Brötchen und Schoki durch. Nicht optimal.

Inzwischen glaube ich nämlich das, was die Experten sagen: dass die richtige und passende Ernährung eine sehr wichtige Rolle für Leistung und Regeneration spielt. Ich denke, dass mir gestern für die Regeneration die Eiweiße gefehlt haben. Und heute für die Leistung die Kohlenhydrate. Gestern Abend habe ich kaum etwas zu mir genommen, heute früh nur Kaffee mit Milch. Das habe ich beim heutigen Morgenlauf wahrscheinlich ziemlich deutlich gespürt. Die Beine hatten einfach gar keine Möglichkeit, neue Energie zu tanken. Also habe ich heute gelernt: künftig besser aufs Essen achten!

Lotta, das gerupfte Huhn …

Das Wetter schlägt Kapriolen und es ist jeden Tag aufs Neue spannend: Kann ich heute Laufen oder nicht? Geboten wird echt alles. Entweder es schüttet, oder es stürmt, Eis, Schnee, hin und wieder Sonnenschein, Frühling war auch schon angesagt und ich habe die kurzen Laufhosen ausgepackt. Um sie kurz darauf wieder ganz hinten in den Schrank zu legen und die Thermohose rauszukramen… Heute Nacht: Heftige Sturmböen, die an den Fenstern rüttelten. Mehrfach wurde ich davon wach und habe überlegt: Klappt das morgen Früh? Wie so häufig passt es für Lotta und mich im Moment wieder am besten am frühen Morgen. Wir haben Glück: oft scheint sich das Wetter morgens auch zu beruhigen. Und Lotta ists eh wurscht. Sie läuft IMMER. Außer bei Gewitter. Starkregen mag sie nicht, zieht aber trotzdem durch.

Vor ein paar Tagen hatte ich fast ein schlechtes Gewissen und überlegte während des Laufs, ob ich nicht gut genug auf sie aufpasse. Eben weil sie gnadenlos durchzieht – so lange, bis Frauchen fertig ist. Das mögen zwei oder zwanzig oder gar dreißig Kilometer sein – sie macht alles mit. Die Temperatur lag knapp über dem Gefrierpunkt und es wehte ein eisiger Wind aus Nordost. Gemeinsam sausten wir übers Feld, auf unserer neuen lieblings-weil-total-variierbaren Laufstrecke. Lotta ist ja ein Wäller und hat längeres, wunderschönes Fell. Das fällt aber ein Mal im Jahr fast komplett aus. So auch derzeit. Ich könnte mehrmals am Tag das ganze Haus und den Hund absaugen, total nervig! Lotta sieht wie ein gerupftes Huhn aus …

Lotta Struppelkopf
Lotta sieht ein Mal im Jahr, wenn sie ihr Fell fast komplett verliert, aus wie ein gerupftes Huhn…

So rannte sie vor mir her, der Wind fauchte uns seitlich an und Lotta sah dabei so furchtbar dünn aus, dass ich richtig erschrocken bin. Wird sie sich bei der Kälte ohne ihren wärmenden Pelz nicht ERkälten? Bloß nicht anhalten, befahl ich mir und legte an Geschwindigkeit zu. Heute nur die kurze Runde! Lotta blickte wie verwundert zu mir zurück: Echt, hier jetzt rechts abbiegen, Frauchen? Hast Du ein Problem? Bist Du sicher? Sonst laufen wir doch weiter, oder? Ja, mein lieber Hund, rief ich ihr in Gedanken zu. Können Hunde Gedanken lesen? Manchmal bin ich fast sicher …

Auf zu neuen Zielen!

Seit ein paar Tagen liegt der Verona-Halbmarathon hinter mir – ein wunderbares Erlebnis! Flache Strecke, tolle Organisation und dann das Tüpfelchen auf dem i – wenn auch nur mit vier Sekunden Abstand: persönliche Bestzeit gelaufen. Wow. Irgendwie ist das pures Glück in dem Moment des Laufens. Dieses Mal hatte ich fast die ganzen 21,1 Kilometer über wohlige Gänsehaut, ich musste ständig lächeln. Weil ich mich einfach danach gefühlt habe! Monate der Anstrengung durch Umzug und Arbeit lagen hinter mir, ich hatte gemeinsam mit Lotta nur ein – wenn auch solides – Grundlagentraining hinbekommen, fast ohne lange Läufe. Zu Lotta hatte ich beim letzten gemeinsamen Trainingslauf noch gesagt: “Mal sehen, Lotta, ob Frauchen unser gemeinsames Tempo allein auch auf die Straße bringt”. Und siehe da: es ging.

Sigi mit Medaille
Juhuhh, im Ziel! Spaß hats gemacht, den Verona-Halbmarathon zu laufen und dafür auch noch eine so schöne Medaille zu erhalten!

Dabei war die PB natürlich wie immer gar nicht mein Ziel. Ich trainiere, um Spaß zu haben, um gesund zu bleiben und um während des Trainings eine gute Zeit mit Lotta zu haben. Um eine Bestzeit laufe ich im Wettkampf nie, zu großen Druck mache ich mir nie. Trotzdem freue ich mich darüber, wenn ich auch mal schneller als erwartet ins Ziel komme.

Wettkämpfe sind für mich in allererster Linie ein Riesenvergnügen. Ich liebe die Atmosphäre zwischen den Läufern, die leichte Nervosität vor dem Start, die sich wie ein Prickeln durch den Startblock zieht. Ich liebe das gemeinsame Runterzählen und das Loslaufen. Ich liebe die Momente, wo es mal nicht so rund läuft und man sich quälen muss. Und ich liebe den letzten Spurt ins Ziel. Aufgegeben habe ich bis jetzt noch nie. Doch, ein Mal: Da lief ich mit gebrochenem Knöchel und musste mir nach 8 Kilometern eingestehen, dass es wirklich nicht ging.

Nicht die Bestzeiten sind es also, die mich antreiben. Eher die – englisch ausgedrückt – “soft skills” – im übertragenen Sinn. Regelmäßig überlege ich mir, an welchem Wettkampf ich als nächstes teilnehmen möchte. Die Wettkämpfe strukturieren mein Training, sie sind wunderbare Ziele, die sich zu verfolgen lohnt. Sie halten das Training abwechslungsreich und spannend. Als nächstes steht deswegen der Springe-Deister-Lauf an, am 23. März. Danach der Sollinglauf, am 25. Mai. Und danach? Auf zu neuen Zielen!

Ganz schön frostig!

Der Frost hat uns ganz schön fest im Griff. Nachts sinken die Temperaturen zum Teil auf fast -10 Grad, alle Pfützen sind gefroren, die Seen zum Teil auch. Naja, Januar eben! Was will man also erwarten? Mir ist das morgens im Moment zu kalt, das muss ich ehrlich zugeben. Außerdem habe ich, wenn es noch so halb finster ist, Angst davor, auf Glatteis auszurutschen. Mag ich einfach nicht. Im Hellen habe ich eine größere Chance, unter der leichten Schneeschicht Pfützen zu erkennen und dran vorbeizulaufen. Deswegen haben Lotta und ich unsere Läufe vom frühen Morgen lieber auf die Mittagsstunden gelegt. Wie gut, dass ich das als Selbstständige so einfach kann! Zum Teil scheint dann sogar die Sonne und bringt Licht in die immer noch dunkle Zeit. Wunderbar.

Endlich Sonnenstrahlen! Das tut Lotta und mir richtig gut …

Außerdem haben Lotta und ich auf diese Weise eine neue Laufstrecke entdeckt, die wir noch nicht kannten. Das geht nur mit Zeit und davon haben wir morgens immer nicht so viel. Mittags sind wir, sofern keine beruflichen Termine anstehen, einfach freier. Schritt für Schritt entdecken wir so unsere neue Heimat. Und auch das tut gut. In einem trüben grauen Winter in einer völlig neuen Umgebung kann man sich nämlich als Mensch ganz schön verloren fühlen. Vorher kannte man quasi jeden Stein der Hausstrecke und nun? Alles Neuland. Lotta juckt das natürlich wenig. Für sie ist wichtig, dass wir da sind. Alles weitere ist ihr, schlank ausgedrückt, total wurscht. Wir könnten auch nach Hintertupfingen am anderen Ende der Welt gezogen sein. Egal. Hauptsache, sie hat ihr Rudel.

Diese Treue tut auch beim Laufen gut. Gemeinsam mit Lotta wage ich in der neuen Heimat läuferisch fast alles – wir laufen einfach los und gucken, wo wir ankommen. Und ob wir wieder zurückkommen. Zum Schluss gibt es dann ein “High Five” Handschuh-Pfote und ein zufriedenes “Danke, Lotta!”…

Lotta und Sigi in der Sonne
High Five und “Danke, Lotta!”, gibt es bei uns am Ende eines Laufs.