Und wie das schmeckt!

Lotta liebt Obst. Während des Laufens versucht sie alles aufzusammeln, was sie irgendwie erreicht: Mirabellen, Kirschen, Zwetschgen, Äpfel, Birnen … Je nach Jahreszeit. Am liebsten mag sie es, wenn die guten Stücke schon leicht vergammelt sind und auf dem Boden kleben. Dann macht sie einen spontanen Stopp, Vollbremsung auf vier Pfoten und sofort rein damit – das kann manchmal am Bauch beim mir ein wenig schmerzen, schließlich werde ich auch zur Vollbremsung gezwungen… Aber meistens sehe ich die Bäume ja schon vorher und weiß, was auf mich zukommt. Dann laufe ich entweder große Bögen drumherum oder bereite mich innerlich auf den kommenden Stopp vor. Bauchmuskeln anspannen!

Ein von uns beiden geliebtes Ritual ist aber die Zubereitung meines Müslis irgendwann im Laufe des Tages. Je nachdem, wann es passt. Das zelebrieren wir richtig. Sobald ich die Müslischüssel hole, steht Lotta schon parat. Jeden Handgriff verfolgt sie mit aufmerksamsten Augen – und weiß ganz genau: gleich krieg ich was! Ich schneide das Obst in Stücke … Und natürlich bekommt sie etwas davon ab! Nebenbei: auch Gemüse verschmäht sie keineswegs. Am Schluss kommt noch Joghurt drüber – und wer darf den Becker ausschlecken? Na klar, Lotta!

Lotta bekommt Banane
Müsli ist so lecker! Vor allem mit Obst. Und Lotta bekommt natürlich was davon ab.

Ob das für sie ebenso gesund ist wie für uns Menschen, weiß ich eigentlich nicht. Fest steht: Von Obst muss sie pupsen. Und wie das stinkt! Nicht schön, wenn man abends zusammen auf dem Sofa kuschelt… Vermutlich ist Fleisch doch die für sie gesündere Variante. Aber ergänzend? Ich muss mich damit mal intensiver beschäftigen und das ausführlich recherchieren. Wird aufgeschrieben, versprochen!

Weniger ist manchmal mehr

Heute sind Lotta und ich nicht die geplanten 14 Kilometer (Laufplan für den Hiddestorfer Rübenlauf!) gelaufen, sondern nur weniger als die Hälfte. Denn: Weniger ist manchmal mehr. Ich hatte in den vergangenen zwei Tagen mit leichten Halsschmerzen und einem undefinierten Schmerz im Rücken zu tun und Lotta wurde gestern geimpft. Also: Laufpensum runterfahren, Ausruhzeiten erhöhen! Spaß hat es trotzdem gemacht, sowohl die Halsschmerzen als auch der Schmerz im Rücken sind fast weg :-). Der Morgenlauf tut einfach immer unendlich gut!

Sigi und Lotta
Sigi und Lotta beim Morgenlauf – ein Genuss!

Auch zu meinem Blog passt das Motto im Moment gut. Seit unserem Umzug von Hannover nach Einbeck habe ich einfach zu wenig Zeit für das “schöne” Freizeitschreiben gehabt. Deswegen habe ich mich vor allem auf Bilder und kurze Posts bei Instagram beschränkt – es ging einfach nicht mehr neben Arbeit, Familie und Haus. Jetzt, ein gutes Dreivierteljahr später, pendelt sich alles langsam ein. Wir haben einen funktionierenden Alltag, die Sanierung des Hauses ist für dieses Jahr fast abgeschlossen, die Arbeit läuft wieder entspannter. Es ist wieder Luft, sich um andere Dinge zu kümmern.

Momentan stecken Lotta und ich mitten in der Vorbereitung für unseren Lieblingslauf in Hiddestorf. Der Halbmarathon soll es werden und mit der #runningchallenge von Marquardtrunning bereiten wir uns darauf vor, Bestzeit zu laufen. Naja. Mal sehen. Gerade vor zwei Tagen habe ich im Workshop gelernt, dass ich eigentlich nicht schnell laufen kann – weil ich nicht langsam laufen kann. “Wer nicht langsam laufen kann, kann auch nicht schnell laufen”, so der Lauf-Doc. Frustrierend. Denn ich schaffe alle im Laufplan vorgesehenen Laufeinheiten mühelos – nur die langsamen nicht. Dann nämlich komme ich mir vor wie eine lustlos dahinkriechende Schnecke, und lege automatisch einen Zahn zu. Es ist einfach nicht zu machen!

Einen nächsten Versuch starte ich am Wochenende: Dann gewinnt derjenige, der Laufdistanz und Durchschnittspace auf die Sekunde genau trifft, eine Dose Cola. Das ist doch ein Ansporn, oder? Also: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Run slow – but run!

Müde Beine tragen schwer …

Heute war einer dieser Tage, die ich glücklicherweise selten habe: Die Beine waren so schwer und müde, dass ich das Gefühl hatte, eigentlich gar nicht vom Fleck zu kommen. Über jeden kurzen Stopp von Lotta (Piseln, Haufen machen, Schnuppern, Schnuppern, Schnuppern, Piseln, Gras fressen, wieder schnuppern …) war ich dankbar. Was Lotta, Du bist schon fertig? Ja, Frauchen, weiter gehts! Warte, Lotta, Frauchen muss sich noch die Nase putzen … Okay, fertig. Eine Frage, Lotta: Trägst Du mich? Ach nee, Frauchen, das musst Du schon selbst machen … Heieiei. Irgendwie haben wir es trotzdem geschafft, die 8 Kilometer, die ich mir vorgenommen hatte, zu schaffen. Die Strecke kam mir länger vor als der Marathon letztes Jahr!

Lotta, trägst Du mich? Ach nein, Frauchen, lass mal. Das musst Du schon selbst schaffen …

Warum ich so schwere Beine hatte, kann ich mir gar nicht erklären. Vielleicht, weil Lotta und ich gestern so den Berg hochgespurtet sind? Wir hatten nur kurz Zeit und ich wollte, dass Lotta sich ein bisschen auspowert. Ich wusste, dass sie tagsüber ziemlich oft im Auto in der Box sitzen würde. Beim Bergsprint habe ich mich selbst wohl auch ein bisschen übernommen. Dazu kommt sicherlich, dass ich den ganzen Tag über dann nichts Vernünftiges gegessen habe. Üblicherweise trinke ich nach dem Lauf auch ein “Pülverchen” (Name wird nicht verraten, das wäre ja Werbung!), aber selbst dafür hatte es gestern nicht gereicht. Ich schlug mich also mit Brezel, Brötchen und Schoki durch. Nicht optimal.

Inzwischen glaube ich nämlich das, was die Experten sagen: dass die richtige und passende Ernährung eine sehr wichtige Rolle für Leistung und Regeneration spielt. Ich denke, dass mir gestern für die Regeneration die Eiweiße gefehlt haben. Und heute für die Leistung die Kohlenhydrate. Gestern Abend habe ich kaum etwas zu mir genommen, heute früh nur Kaffee mit Milch. Das habe ich beim heutigen Morgenlauf wahrscheinlich ziemlich deutlich gespürt. Die Beine hatten einfach gar keine Möglichkeit, neue Energie zu tanken. Also habe ich heute gelernt: künftig besser aufs Essen achten!

Lotta, das gerupfte Huhn …

Das Wetter schlägt Kapriolen und es ist jeden Tag aufs Neue spannend: Kann ich heute Laufen oder nicht? Geboten wird echt alles. Entweder es schüttet, oder es stürmt, Eis, Schnee, hin und wieder Sonnenschein, Frühling war auch schon angesagt und ich habe die kurzen Laufhosen ausgepackt. Um sie kurz darauf wieder ganz hinten in den Schrank zu legen und die Thermohose rauszukramen… Heute Nacht: Heftige Sturmböen, die an den Fenstern rüttelten. Mehrfach wurde ich davon wach und habe überlegt: Klappt das morgen Früh? Wie so häufig passt es für Lotta und mich im Moment wieder am besten am frühen Morgen. Wir haben Glück: oft scheint sich das Wetter morgens auch zu beruhigen. Und Lotta ists eh wurscht. Sie läuft IMMER. Außer bei Gewitter. Starkregen mag sie nicht, zieht aber trotzdem durch.

Vor ein paar Tagen hatte ich fast ein schlechtes Gewissen und überlegte während des Laufs, ob ich nicht gut genug auf sie aufpasse. Eben weil sie gnadenlos durchzieht – so lange, bis Frauchen fertig ist. Das mögen zwei oder zwanzig oder gar dreißig Kilometer sein – sie macht alles mit. Die Temperatur lag knapp über dem Gefrierpunkt und es wehte ein eisiger Wind aus Nordost. Gemeinsam sausten wir übers Feld, auf unserer neuen lieblings-weil-total-variierbaren Laufstrecke. Lotta ist ja ein Wäller und hat längeres, wunderschönes Fell. Das fällt aber ein Mal im Jahr fast komplett aus. So auch derzeit. Ich könnte mehrmals am Tag das ganze Haus und den Hund absaugen, total nervig! Lotta sieht wie ein gerupftes Huhn aus …

Lotta Struppelkopf
Lotta sieht ein Mal im Jahr, wenn sie ihr Fell fast komplett verliert, aus wie ein gerupftes Huhn…

So rannte sie vor mir her, der Wind fauchte uns seitlich an und Lotta sah dabei so furchtbar dünn aus, dass ich richtig erschrocken bin. Wird sie sich bei der Kälte ohne ihren wärmenden Pelz nicht ERkälten? Bloß nicht anhalten, befahl ich mir und legte an Geschwindigkeit zu. Heute nur die kurze Runde! Lotta blickte wie verwundert zu mir zurück: Echt, hier jetzt rechts abbiegen, Frauchen? Hast Du ein Problem? Bist Du sicher? Sonst laufen wir doch weiter, oder? Ja, mein lieber Hund, rief ich ihr in Gedanken zu. Können Hunde Gedanken lesen? Manchmal bin ich fast sicher …

Auf zu neuen Zielen!

Seit ein paar Tagen liegt der Verona-Halbmarathon hinter mir – ein wunderbares Erlebnis! Flache Strecke, tolle Organisation und dann das Tüpfelchen auf dem i – wenn auch nur mit vier Sekunden Abstand: persönliche Bestzeit gelaufen. Wow. Irgendwie ist das pures Glück in dem Moment des Laufens. Dieses Mal hatte ich fast die ganzen 21,1 Kilometer über wohlige Gänsehaut, ich musste ständig lächeln. Weil ich mich einfach danach gefühlt habe! Monate der Anstrengung durch Umzug und Arbeit lagen hinter mir, ich hatte gemeinsam mit Lotta nur ein – wenn auch solides – Grundlagentraining hinbekommen, fast ohne lange Läufe. Zu Lotta hatte ich beim letzten gemeinsamen Trainingslauf noch gesagt: “Mal sehen, Lotta, ob Frauchen unser gemeinsames Tempo allein auch auf die Straße bringt”. Und siehe da: es ging.

Sigi mit Medaille
Juhuhh, im Ziel! Spaß hats gemacht, den Verona-Halbmarathon zu laufen und dafür auch noch eine so schöne Medaille zu erhalten!

Dabei war die PB natürlich wie immer gar nicht mein Ziel. Ich trainiere, um Spaß zu haben, um gesund zu bleiben und um während des Trainings eine gute Zeit mit Lotta zu haben. Um eine Bestzeit laufe ich im Wettkampf nie, zu großen Druck mache ich mir nie. Trotzdem freue ich mich darüber, wenn ich auch mal schneller als erwartet ins Ziel komme.

Wettkämpfe sind für mich in allererster Linie ein Riesenvergnügen. Ich liebe die Atmosphäre zwischen den Läufern, die leichte Nervosität vor dem Start, die sich wie ein Prickeln durch den Startblock zieht. Ich liebe das gemeinsame Runterzählen und das Loslaufen. Ich liebe die Momente, wo es mal nicht so rund läuft und man sich quälen muss. Und ich liebe den letzten Spurt ins Ziel. Aufgegeben habe ich bis jetzt noch nie. Doch, ein Mal: Da lief ich mit gebrochenem Knöchel und musste mir nach 8 Kilometern eingestehen, dass es wirklich nicht ging.

Nicht die Bestzeiten sind es also, die mich antreiben. Eher die – englisch ausgedrückt – “soft skills” – im übertragenen Sinn. Regelmäßig überlege ich mir, an welchem Wettkampf ich als nächstes teilnehmen möchte. Die Wettkämpfe strukturieren mein Training, sie sind wunderbare Ziele, die sich zu verfolgen lohnt. Sie halten das Training abwechslungsreich und spannend. Als nächstes steht deswegen der Springe-Deister-Lauf an, am 23. März. Danach der Sollinglauf, am 25. Mai. Und danach? Auf zu neuen Zielen!

Ganz schön frostig!

Der Frost hat uns ganz schön fest im Griff. Nachts sinken die Temperaturen zum Teil auf fast -10 Grad, alle Pfützen sind gefroren, die Seen zum Teil auch. Naja, Januar eben! Was will man also erwarten? Mir ist das morgens im Moment zu kalt, das muss ich ehrlich zugeben. Außerdem habe ich, wenn es noch so halb finster ist, Angst davor, auf Glatteis auszurutschen. Mag ich einfach nicht. Im Hellen habe ich eine größere Chance, unter der leichten Schneeschicht Pfützen zu erkennen und dran vorbeizulaufen. Deswegen haben Lotta und ich unsere Läufe vom frühen Morgen lieber auf die Mittagsstunden gelegt. Wie gut, dass ich das als Selbstständige so einfach kann! Zum Teil scheint dann sogar die Sonne und bringt Licht in die immer noch dunkle Zeit. Wunderbar.

Endlich Sonnenstrahlen! Das tut Lotta und mir richtig gut …

Außerdem haben Lotta und ich auf diese Weise eine neue Laufstrecke entdeckt, die wir noch nicht kannten. Das geht nur mit Zeit und davon haben wir morgens immer nicht so viel. Mittags sind wir, sofern keine beruflichen Termine anstehen, einfach freier. Schritt für Schritt entdecken wir so unsere neue Heimat. Und auch das tut gut. In einem trüben grauen Winter in einer völlig neuen Umgebung kann man sich nämlich als Mensch ganz schön verloren fühlen. Vorher kannte man quasi jeden Stein der Hausstrecke und nun? Alles Neuland. Lotta juckt das natürlich wenig. Für sie ist wichtig, dass wir da sind. Alles weitere ist ihr, schlank ausgedrückt, total wurscht. Wir könnten auch nach Hintertupfingen am anderen Ende der Welt gezogen sein. Egal. Hauptsache, sie hat ihr Rudel.

Diese Treue tut auch beim Laufen gut. Gemeinsam mit Lotta wage ich in der neuen Heimat läuferisch fast alles – wir laufen einfach los und gucken, wo wir ankommen. Und ob wir wieder zurückkommen. Zum Schluss gibt es dann ein “High Five” Handschuh-Pfote und ein zufriedenes “Danke, Lotta!”…

Lotta und Sigi in der Sonne
High Five und “Danke, Lotta!”, gibt es bei uns am Ende eines Laufs.

Innerer Schweinehund? Fehlanzeige!

Ich behaupte ja gern, dass ich keinen inneren Schweinehund habe. Nein, Fehlanzeige! Zumindest, wenn es ums Laufen geht. Gestern allerdings habe ich doch sehr mit mir gehadert, ob ich tatsächlich los wollen sollte. Die ganze Nacht Sturm und heftigster Dauerregen. Garstig ohne Ende. Dazu dunkel und natürlich trüb, außerdem kalt. Die Nachtruhe zusätzlich vielfältig durch unseren Kleinsten (“Mama, Schlulli, ist weg!” um 2 Uhr. “Mama, darf ich Dir unten was zeigen” um 4.30 Uhr …) gestört.

Da komme auch ich an meine Grenzen und spüre den dringenden Wunsch, mich mal so richtig in Ruhe ausschlafen zu können. Das gab es wirklich schon sehr lange nicht mehr. Doch mein Kopf sagt mir aus vielfältiger Erfahrung: Lauf einfach los und sei gewiss: danach geht es Dir in jedem Fall besser – egal, wie Du geschlafen hast und egal, wie das Wetter auch sein möge!

Den letzten Zweifel an der Richtigkeit dieser Überlegung fegt Lotta dann hinweg. Sobald ich mir beginne, meine Laufsachen anzuziehen, sieht man ihr die Vorfreude an. Frauchen, geht es jetzt endlich los? Ja? Auja! Sie legt sich direkt vor die Badezimmertür und wartet geduldig so lange, bis ich fertig bin. Wir sausen unsere Runde durch unser neues Laufrevier, kämpfen uns im Wald gemeinsam durch Regen und Sturmböen. Lotta immer vorne weg, aber stets mit dem Blick nach mir, ob ich auch wirklich da bin. Denn diese Wetterlagen sind ihr nicht so recht geheuer, eigentlich würde auch sie da das Haus gerne nicht verlassen. Zusammen aber geht es uns beiden gut.

Nach dem Lauf bin ich jedes Mal von einer riesigen Freude und Zufriedenheit erfüllt. Danke, Lotta!, sage ich dann und gebe ihr (ja!) einen dicken Kuss auf den Kopf. Ohne Dich, mein lieber lieber Hund, hätte ich das heute nicht geschafft. Wie schön, dass Du zu unserer Familie gehörst und so eine treue Begleiterin bist. Das ist wundervoll.

 

Silvester naht. Es knallt.

Es ist wieder soweit: Silvester naht. Überall und zu jeder Tages- oder Nachtzeit knallt es. Irgendwo. Selbst morgens um acht. Das ist nix für Lotta. Sie hasst dieses Geräusch. Frauchen, ich muss nach Hause! Jetzt! Sofort!! Entspannt rausgehen? Ist in diesen Tagen Fehlanzeige. Man muss immer darauf gefasst sein, dass sie auf der Stelle, in Bruchteilen einer Sekunde, umdreht und unter vollem Einsatz ihres Vierradantriebs nach Hause rennt. Ich kann sie dann kaum halten.

Heute haben wir uns gemeinsam direkt aus unserem neuen Zuhause auf den Weg gemacht. Wir kennen uns ja noch nicht so gut aus und probieren noch ganz vieles einfach aus. In Einbeck gibt es nicht so viele Läufer wie in Hannover. Im Internet finden sich deswegen kaum Erfahrungswerte, an denen man sich orientieren könnte. Ganz oft fahren wir ein kleines Stück mit dem Auto, entweder nach Norden auf einen Hügelzug mit dem schönen Namen Hube oder Richtung Leinepolder. Auf der Hube laufen wir mit vielen Rehen und etlichen Höhenmetern. Und haben uns auch schon richtig schön kräftezehrend VERlaufen. Im Leinepolder mit zahlreichen Wildvögeln ist es ganz flach. Beides ist schön, beides ist aber immer mit dem Auto verbunden. 

Direkt von Zuhause aus haben wir noch keine tolle Hausrunde gefunden. Da hilft nur: einfach loslaufen und gucken, wo es geht und schön ist. Also wollten wir heute Richtung Westen raus, da erreicht man in wenigen Minuten weite Felder. Kurz vor Erreichen der Stadtgrenze: Ein Knall. Und schon war der Lauf für Lotta vorbei. Kehrtwende. Zurück. SOFORT. Frauchen, bitte! Okay, Lotta. Aber eigentlich ist doch gar nichts, keine Gefahr, Lotta! Können wir nicht doch weiter? Nein. Nichts zu machen. Gar nichts. Zitternd am ganzen Leib habe ich das arme Tier Zuhause wieder abgeliefert.

 

Wo ist der Hund?

Es knallt und Lotta ist nicht mehr zu halten. Also ab nach Hause und alleine wieder los!

 

 

 

 

 

 

Laufen wollte ich natürlich trotzdem noch. Und habe ohne Lotta mal die Runde durch die Stadt gewählt. Der Stadtkern von Einbeck ist umgeben von Wällen, auf denen Fußgängerwege angelegt sind. Bürgermeisterwall, Mühlenwall und Bäckerwall. Das ist für Lotta nicht so spannend, aber aus Läufersicht natürlich sehr schön. Zumal die Wege auch alle beleuchtet und natürlich befestigt sind. Fazit für heute: In den nächsten Tagen mit Lotta nur tief im Wald spazieren gehen. Da knallt höchstens der Jäger. Und der ist vielleicht im Moment nicht so aktiv.

Noch müssen die Beine einfach weiterlaufen

Okay. Ein Ende ist in Sicht. Ich fühle mich gerade wie auf den letzten 5 Kilometern des Frankfurt-Marathons. Total erschöpft und trotzdem irgendwie auch gut. Durchhalten ist angesagt. Eisern durchhalten, Schritt vor Schritt setzen. In Kürze beginnt der euphorische Endspurt, dann der Zieleinlauf. Ich weiß: Ich schaffe es. Noch ist es aber nicht so weit, noch müssen die Beine einfach weiterlaufen.

Dem läuferischen Marathon hat sich in den vergangenen Wochen bei uns nämlich ein ganz persönlicher Marathon angeschlossen: Wir sind umgezogen. Mit Sack und Pack, von Hannover in die kleine Bierstadt Einbeck. Das war eine ganze Menge Arbeit. Das Zeug von vier Personen plus Hund (unser Ältester ist ja bereits ausgezogen, unsere Tochter hat kurz vor unserem Auszug ihre Sachen gepackt und ist nach Göttingen zum Studium umgesiedelt) muss man erst einmal in Kisten hineinbekommen. Fast 170 Kisten waren es am Schluss. Hä, wie geht das, wir haben doch gar nichts?! Doch, wir haben ganz schön viel! Die Erkenntnis kam während des Packens. Denn irgendwie musste das ja alles raus aus dem alten Haus und rein ins neue Haus.

Da allerdings lag das Problem. Das neue Haus ist ein echt altes Haus und das musste erst einmal umfassend saniert werden. Das dauerte länger als geplant, der Umzugstermin stand aber schon fest. Die Lösung: Wir sind mit dem Nötigsten in die kleine Dachgeschosswohnung gezogen, die wir schon seit einem Jahr in Einbeck gemietet haben. Die Vermieterin ist ein Engel und hat dem Plan zugestimmt. Obwohl sie selbst auch im Haus wohnt und wusste, dass wir mit Kleinkind und großem Hund kommen würden. Was für ein Riesenglück! Mehr als vier Wochen sind seitdem ins Land gezogen. Kuschelig war es, so eng aufeinander. Aber auch immer wieder ganz schön anstrengend.

Und jetzt ist endlich ein Ende in Sicht: Morgen werden die Innenarbeiten so gut wie abgeschlossen sein und wir können umziehen! Der grandiose Zieleinlauf beginnt, rund um Weihnachten, wenn alle zusammen und besinnlich sind, folgt der große Jubel. Was für ein Jahr. Ich bin demütig und bewegt. Und freue mich darauf, Einbeck und seine Laufstrecken gemeinsam mit Lotta zu erkunden.

Tatsächlich: Ich bin ein Marathoni

Ich habe es tatsächlich geschafft: Seit gestern bin ich ein Marathoni, der Frankfurt-Marathon ist geschafft. Was für ein Erlebnis, was für ein großartiges Gefühl. Auch heute bin ich immer noch total geflashed. Ein bisschen wie Wolke 7 fühlt sich das an. Die Beine schmerzen schon ein bisschen, aber der Gesamtzustand, einfach grandios. Alles passte gestern: Ich hatte in einem wunderbaren Hotelbett gut geschlafen, fühlte mich fit und war gesund. Das Training in den vergangenen Monaten hätte eh besser nicht sein können. Optimale Startbedingungen!

Naja, das Wetter hätte etwas schöner sein können. Sturmböen und gefühlte frostige 2 Grad Celsius ist nicht unbedingt das, was sich das Läuferherz wünscht. Aber ehrlich: Für mich besser zu ertragen als Hitze. Da wäre ich raus gewesen. Und: Ich hatte ja meinen “Hasen” dabei, meinen Mann, der stetig einen Schritt vor mir lief und mir mit breiter Schulter Windschatten bot. Gemeinsam haben wir das Tempo durchgezogen, fast komplett vom ersten bis zum letzten Meter. 42.195 Meter weit, 4 Stunden und 49 Minuten lang.

In Realität, so sagt es die Laufuhr, sogar noch weiter, nämlich 42,62 Kilometer. Nur 400 Meter mehr. Aber auf den letzten Kilometern des Marathons kamen mir selbst 100 Meter wie eine kleine Ewigkeit vor. Ich lief auf der letzten Rille und wusste: Wenn ich jetzt stehenbleibe, laufe ich nicht nochmal an. Deswegen gabs ab Kilometer 35 auch keine Trinkpause mehr. Das wäre das Ende gewesen. Und das kam natürlich gar nicht in Frage. Hand in Hand sind mein Liebster und ich in der Festhalle über die Ziellinie gelaufen, das war schon sehr emotional, die Tränen sind gelaufen. Seitdem aber habe ich ein Dauerlächeln im Gesicht …

Heute habe ich Lotta aus dem Hundehaus geholt und die Freude war riesig. Fast wieder Tränen – aber da konnte ich mich dann doch zusammenreißen. So ein Quatsch. Aber schön ist es, sie wieder im Haus zu haben. Ein paar Tage Erholungszeit und dann laufen wir beide wieder los, oder Lotta? Und vielleicht finden wir auch irgendwann mal einen Marathon, bei dem Hunde mitlaufen dürfen. Das wäre doch ein tolles neues Ziel …

Sigi und Stephan mit Medaille.

Das Ziel zu erreichen und dann die Medaille in Empfang zu nehmen, ist schon einzigartig!